Fallmanagement
/ Case Management
(Beitrag im Online-Verwaltungslexikon
olev.de, Version 1.31)
1. Definition
"ganzheitliche Unterstützung": Ansatz im Bereich Gesundheits-
und Sozialwesen, aber auch z. B. in der Arbeitsvermittlung, Unfallversicherung
usw., bei dem die betroffene Person (Patient/in, Klient/in, Kunde/Kundin usw.)
im Mittelpunkt steht. Durch eine ganzheitliche Sicht aus allen Perspektiven
(sachlich und zeitlich) und das Zusammenwirken aller Institutionen und Akteure
soll ihr möglichst umfassend, wirksam und effizient geholfen werden.
"Ganzheitlich" bedeutet bei Fallmanagement:
- Die Gesamtsicht der Situation umfasst die kurz-, mittel- und ggf. langfristige
Perspektive (Hilfe darf also nicht nur kurzfristig wirken),
- erfolgt aus der Sichtweise aller relevanten Fachgebiete (medizinische Fachgebiete,
soziale und familiäre Situation bei Patienten; Arbeitsmarkt-, Qualifikations-,
soziale und familiäre Perspektive bei Arbeitssuchenden usw.)
- Maßnahmen nutzen alle Möglichkeiten aller Beteiligten:
- der betroffenen Person (Patient/in, Klient/in, Kunde/Kundin usw.) (was
kann sie selbst beitragen?)
- ihres primären Umfeldes (Familie, Nachbarschaft, Freundeskreis)
- aller relevanten Institutionen
- einschließlich der Akteure im gesellschaftlichen, nicht-staatlichen
Bereich
Ziel ist es, Wirksamkeit, Qualität und Effizienz der Unterstützung
zu steigern und damit mittel- und langfristig auch Kosten zu senken. Dies soll
insbesondere durch schnelle, abgestimmte Reaktion und Berücksichtigung
auch längerfristiger Entwicklungen (und Chancen und Risiken) im Rahmen
eines Gesamtkonzepts für den einzelnen Fall erreicht werden.
Der Ansatz wurde in den USA entwickelt. Eine andere Bezeichnung ist "Unterstützungsmanagement",
eine andere Schreibweise "Casemanagement".
Einordnung in Verwaltungsmanagement
Zugrunde liegt strategisches Management
mit klarer Outcome-Orientierung, wobei das operative
Management (die Steuerung der Einzelfallbearbeitung) gleichzeitig die Daten
für die Überprüfung und Weiterentwicklung des strategischen Management-Konzepts
liefert. Fallmanagement ist deshalb eine konsequente Umsetzung des Neues Steuerungsmodells
(bzw. synonym: der Wirkungsorientierten Verwaltungsführung).
Organisatorische Perspektive
Management und Zuständigkeiten orientieren sich am Patienten/Klienten und
überwinden so die durch die Spezialisierung entstehende Parzellierung der
Betreuung, die bisher zu unvollständigen, nicht abgestimmten und/oder zeitlich
ungünstig angeordneten Reaktionen durch mehrere Zuständige führt.
Anwendungsbereich
Anwendungsbereich ist neben der Rehabilitation die Sozialhilfe und Betreuung
von Arbeitssuchenden (möglichst schon vor dem endgültigen Arbeitsplatzverlust).
Ähnliche Konzepte sind die ganzheitliche Betreuung der Wirtschaftsförderung,
z. B. bei der Ansiedlung von Firmen. Das Konzept kann darüber hinaus verwendet
werden bei anderen Förderaufgaben und könnte z. B. auch die bisher
übliche input- und outputorientierte Subventionierung ersetzen.
Good-Practice-Beispiel Basel
Die Stadt Basel, die ihre Sozialhilfe
nach den Grundsätzen des Neuen
Steuerungsmodell bzw. der Wirkungsorientierten
Verwaltungsführung rechtlich verselbständigt hat und sie
über einen Leistungsauftrag
steuert, orientiert sich an folgendem Wirkungsziel:
Oberstes Ziel der Sozialhilfe ist die Wiederherstellung
und Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Selbständigkeit.
Im Mittelpunkt der Hilfe steht somit nicht die finanzielle Unterstützung,
sondern die Integration in die Arbeitswelt und in die Gesellschaft,
sowie die Vorbeugung von Notlagen.
(übernommen von http://www.sozialhilfe.bs.ch/
am 21.04.2007) |
Prinzipien und Vorgehen werden wie folgt beschrieben:
Prinzipien und Vorgehen der Sozialhilfe
der Stadt Basel
(übernommen von http://www.sozialhilfe.bs.ch/
am 12.04.2003, z. T. Formatierung geändert): |
Die handlungsleitenden Prinzipien sind
dabei:
- Nutzer/innenorientierung Die Bedürfnisse
der Klienten sind entscheidend und nicht die der Verwaltung. Ziel
ist die eigenständige Handlungsfähigkeit der Klienten.
- Handlungen nach Vereinbarungen Die
Klienten sollen am Hilfsprozess mündig mitwirken. Man verständig
sich über die Ziele und über die Mittel und Wege, wie man diese
erreicht. Transparenz von beiden Seiten ist dabei unabdingbar.
- Prozedurale Fairness Alle Klienten
können mit Gleichbehandlung rechnen und damit, dass ihre besonderen
Gegebenheiten berücksichtigt werden.
- Produkteorientierung Die Mitarbeitenden
wissen, was ihre Organisation leisten kann und was nicht. Wo sie
an Grenzen kommen, suchen sie nach anderen Anbietern.
- Qualitätsmanagement Es wird systematisch
beobachtet, ob die Prozesse, Strukturen und die Ergebnisse der
Arbeit den zuvor definierten Anforderungen genügen. Man ist bestrebt,
sich zu verbessern.
- Versorgungsmanagement Durch das Arbeiten
mit den Klienten werden Lücken, Unzulänglichkeiten und Überangebote
im sozialen Netz wahrgenommen. Man setzt sich für die optimale
Versorgung der Klienten ein.
- Koordination und Kooperation Voraussetzung
für ein erfolgreiches Case Management ist, dass
die Organisation und Mitarbeitenden ein reiches und dichtes Netz
an Beziehungen zu anderen Organisationen und deren Mitarbeitenden
haben, damit bei Bedarf diese genutzt werden können.
Konkret sind es fünf Verfahrensschritte:
- Einschätzung und Abklärung der Situation und der Bedürfnisse
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assessment |
- Vereinbarung von Zielen und einem Handlungsplan zur Zielerreichung
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planning |
- Durchführung des gemeinsam geplanten und vereinbarten Vorgehens
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intervention |
- Kontrolle und Überwachung sowie Steuerung des Handelns
und der Ziele, angepasst an die aktuelle Situation
|
monitoring |
- Bewertung, Beurteilung und Auswertung der Wirkung des
Verfahrens
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evaluation |
Diese Verfahrensschritte sind zyklisch. Sie wiederholen sich und
laufen zum Teil parallel. Nur so können sie den komplexen Lebenssituationen
gerecht werden. |
Die von der Sozialhilfe
der Stadt Basel zitierte Definition nach Rolf Rainer Wendt, 1999,
formuliert Case Management wie folgt (Formatierung geändert):
Ziel des Case Management ist es,
- die Fähigkeiten und Kompetenzen
- der Klientinnen und Klienten
- und/oder ihres primären Umfeldes
- zur Wahrnehmung und Nutzung sozialer und anderer Dienstleistungen
zu fördern (erhalten, stabilisieren, wiederherstellen, ausbauen),
- professionelle, soziale und persönliche Ressourcen zu verknüpfen
und eine
- höchstmögliche Effizienz im Unterstützungsprozess
zu erreichen.
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Im übrigen bemerkenswert: die Sozialhilfe der Stadt Basel ist ISO-zertifiziert
(Website
am 19.04.2007).
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