Methodenkompetenz
(Beitrag im Online-Verwaltungslexikon olev.de, Version 1.14r)
1 Definition
Teil der Kompetenz/Befähigung von Mitarbeitern, der (relativ) unabhängig von Fachwissen ist und sich bezieht auf die Fähigkeit, Fachwissen zu beschaffen und zu verwerten und allgemein mit Problemen umzugehen. Methodenkompetenz ist mitverantwortlich dafür, Fachkompetenz aufzubauen und erfolgreich zu nutzen. Im einzelnen wird darunter verstanden z. B.:
- Fähigkeit, Informationen zu beschaffen, zu strukturieren, zu bearbeiten, aufzubewahren und wieder zu verwenden, darzustellen, Ergebnisse von Verarbeitungsprozessen richtig zu interpretieren und in geeigneter Form zu präsentieren.
- Fähigkeit zur Anwendung von Problemlösungstechniken.
- Fähigkeit zur Gestaltung von Problemlösungsprozessen, u.a. Projektmanagement.
2 Weitere Informationen
2.1 Methodenkompetenz allgemein
Wie Methodenkompetenz in das Curriculum einer Schule und in den Fachunterricht (!) integriert werden kann führt die Realschule Enger konkret vor in ihrem Konzept, das mit umfangreichen Lehr- und Lernmaterialien ausgestattet ist.
In den Schulen ist das Methodentraining nach Klippert inzwischen weit diskutiert und verwendet, u. a. ist es Grundlage umfangreicher Fortbildungsmaßnahmen für die Lehrer in verschiedenen Bundesländern, auch in Nordrhein-Westfalen. Siehe z. B. diese Praxisberichte:
Berichte über die Praxis nach dem Klippert-Konzept
- Gruppenarbeit statt Frontalunterricht:
Gegenseitige Hilfe im Unterricht verbessert die Kommunikations- und Teamfähigkeit der Schüler. (Heike Nickel, Kölner Stadt-Anzeiger vom 16.02.2002).- Moderator statt missachteter Vorturner
(Günther M. Wiedemann, Kölner Stadt-Anzeiger vom 20.01.02, 19:27h, aktualisiert 23.01.02)- Kinder müssen zur Freiheit erst befähigt werden
(Ingeborg Schwenke-Runkel, Kölner Stadt-Anzeiger vom 03.05.02)- Mit kleinen Schritten schneller zum Ziel
(Ingeborg Schwenke-Runkel, Kölner Stadt-Anzeiger vom 25.01.02)
Aus diesem Grund werden im folgenden einige zentrale Aussagen referiert aus:
Heinz Klippert: Methoden-Training. Übungsbausteine für den Unterricht. 9. Auflage, Weinheim und Basel 1999
die unverändert auch in der 12. Auflage, 2002, enthalten sind (mit Ausnahme der Zusammenstellung von "Methodentraining im Unterricht", s. u.)
Klippert geht von einem erweiterten Lernbegriff aus, der die heute gängige Unterscheidung von Befähigungsbereichen aufnimmt (a.a.O., S. 31):
Erweiterter Lernbegriff |
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| Inhaltlich-fachliches Lernen | Methodisch-strategisches Lernen | Sozial-kommunikatives Lernen | Affektives Lernen |
– Wissen etc. |
– Exzerpieren etc. |
– Zuhören etc. |
– Selbstvertrauen entwickeln etc. |
Methodenkompetenz: was umfasst sie?
Die nachfolgende, von S. 28 übernommene Abbildung stellt die Elemente der Methodenkompetenz zusammen und gliedert sie in Makro- und Mikromethoden.
Methodenkompetenz |
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| Vertraut sein mit zentralen Makromethoden |
Beherrschung elementarer Lern- und Arbeitstechniken |
Beherrschung elementarer Gesprächs- und Kooperationstechniken |
– Gruppenarbeit etc. |
– Lesetechniken etc. |
– Freie Rede etc. |
Makromethoden |
Mikromethoden |
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Methodentraining im Unterricht
Klippert plädiert für „ein flankierendes Methoden-Training“, zu dem er folgende Elemente zählt (S. 35):
Methodentraining
im Unterricht |
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| Selbständige Informationsgewinnung | Produktive Informationsverarbeitung |
Argumentation und Kommunikation | Systematisches Üben und Wiederholen | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die Bedeutung des Methodenlernens fasst Klippert (S. 246) in folgenden Thesen zusammen:
Warum Methodenlernen wichtig ist Einige Thesen für die schulinterne Diskussion |
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Besonders Thesen 4 bis 6 haben aktuelle Bedeutung für die Hochschulen (einschließlich der Fachhochschulen für den öffentlichen Dienst).
Methodenlernen hat bereits z. T. Eingang in amtliche Lehrpläne gefunden, Klippert referiert ein Beispiel (S. 249):
Methodenzentrierte
Lernziele Im Fach Wirtschafts- und Sozialkunde an Realschulen (Rheinland-Pfalz) |
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Lernziele |
Methodische Aspekte |
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Vg. Lehrplan für das Wahlpflichtfach Wirtschafts- und Sozialkunde. S. 10 |
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Gelernt wird, was geprüft wird. Aus dieser Erkenntnis heraus formuliert Klippert auch Vorschläge für methodenzentrierte Fähigkeitsnachweise Im Rahmen von Klassenarbeiten (S. 258).
Methodenzentrierte Fähigkeitsnachweise im Rahmen von Klassenarbeiten |
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Schlussfolgerungen für Fachhochschulen für den öffentlichen Dienst
Für den Bedarf von Hochschulen dürften die von Klippert genannten Fähigkeitsnachweise nur zum geringen Teil verwendbar sein - sehr wohl aber im Rahmen von E-Learning! - aber das Konzept generell durchaus: Defizite im Bereich von Lernkompetenz und Lernstrategien bei den Studierenden sind wichtige Einflussgrößen auf den Studienerfolg. Allerdings ist die Relevanz der Elemente für Hochschulen im einzelnen zu überprüfen.
Angesichts häufig beobachteter und beklagter Defizite („mangelnde Studierfähigkeit“) soll damit hier Material bereit gestellt werden für das, was die Hochschulen bei „studierfähigen“ Studenten eigentlich (oft unausgesprochen oder nicht präzise formulierbar) erwarten und was zum Teil sinnvoll in die Hochschullehre integriert werden könnte. An der Erkenntnis, dass Methoden-, Sozial- und Persönlichkeitskompetenz zunehmend wichtiger werden (vgl. ausführlich Bildungskommission NRW: Zukunft der Bildung - Schule der Zukunft. Denkschrift der Kommission "Zukunft der Bildung - Schule der Zukunft" beim Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen. Neuwied 1995), daraus aber auch konkrete Konsequenzen für Curricula, Lehr- und Lernformen, Lehrmethoden und Prüfungsverfahren gezogen werden müssen, führt aber kein Weg vorbei.
Es sollte Aufgabe der Hochschulen sein, den Studierenden auch dabei Hilfe anzubieten, Defizite der Studierfähigkeit konkret zu erkennen und zu beheben. Auch dafür ist Klarheit über das, was "Studierfähigkeit" bedeutet, notwendig.
B. Methodenkompetenz im Fach "Verwaltungsmanagement"
Die im Abschnitt A dargestellte Methodenkompetenz ist elementar und fächerübergreifend. Jedes Fach verfügt über zusätzliche Methoden, die ergänzend Ziele der Lehre sein können. Dazu wären z. B. grundlegende Planungs- und Entscheidungstechniken wie bestimmte Techniken des Projektmanagements zu rechnen.
Was zum Kernbereich zu rechnen (und über die einzelnen Fächer des Studiums hinweg zu vereinbaren) wäre, ist noch zu erarbeiten. Auf die umfassende Zusammenstellung von Managementtechniken sei an dieser Stelle verwiesen. Ansätze für ein Methodencurriculum der Verwaltungsmanagementlehre sind dokumentiert unter http://www.verwaltungsmanagement.info/studium/hs/allg-kern.htm.
3 Quellen
| Klippert, Heinz | 1999 | Methoden-Training. Übungsbausteine für den Unterricht. 9. Auflage, Weinheim und Basel 1999 |
| Klippert, Heinz | 2002 | Methoden-Training : Übungsbausteine für den Unterricht. 12. Aufl., Weinheim 2002 (unveränderter Nachdruck der 11. Aufl.) |
| Klippert, Heinz | 2008 | Pädagogische Schulentwicklung - Strategien zur systematischen Weiterentwicklung des Unterrichts. Online-Quelle 1 / Online-Quelle 2 (PDF) |
| Realschule Enger | 2001 | Lernkompetenz I - Bausteine für eigenständiges Lernen 6.-7. Schuljahr. Mit CD-ROM. Berlin 2001 Lernkompetenz II - Bausteine für eigenständiges Lernen 7.-9. Schuljahr. Mit CD-ROM. Berlin 2001 |
| Realschule Enger | 2003 | Lernkompetenz: Geschichte, Geografie, Politik, Religion, m. CD-ROM. Berlin 2003 |
| Realschule Enger | 2003 | Lernkompetenz: Deutsch, m. CD-ROM. Berlin 2003 |
Siehe im übrigen die Literaturangaben beim Stichwort "Potenzialbereiche".
Internet-Adressen siehe auf der Bildungs-Website.
2010-07-27