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Common Assessment Framework - CAF -
(Beitrag im Online-Verwaltungslexikon olev.de, Version 2.5)
Gemeinsames europäisches Qualitätsbewertungssystem unter dem Motto "Verbesserung der Organisation durch Selbstbewertung", ein an das EFQM-Modell angelehntes Konzept zur Selbstbewertung für die öffentlichen Verwaltungen in Europa als Weg zu umfassendem Qualitätsmanagement und ständiger Verbesserung.
Wie das EFQM-Modell ist CAF ein TQM-Modell
für "umfassendes Qualitätsmanagement":
(Die Grafik als skalierbare Word-Datei)
Themenfelder und Kriterien des CAF 2006
| Themenfelder und Kriterien des CAF 2006, entnommen aus der CAF-Broschüre 2006 |
Wiedergegeben sind die Themenfelder und Kriterien in der für die Bewertung formulierten Fassung. Die Bewertung erfolgt anhand von Unterkriterien, genannt Indikatoren. Dabei ist jeweils angegeben, welche Grundlagen für die die Bewertung zu fordern sind (Fakten, Beobachtungen, Belegen usw.), differenziert nach Befähigern und Ergebnissen. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten, die Abstufungen differenzieren nach dem Ausmaß, zu dem die Indikatoren nachweislich erfüllt bzw. in den PDCA-Zyklus eingebettet sind.
Die zusammenfassende Bewertung geschieht durch Mittelung der Indikatorenpunkte zum Wert der des Kriteriums, der Mittelwert aller Kriterien ergibt den Punktwert des Themenfeldes, der Mittelwert aller Themenfelder wiederum die Gesamtbewertung der Institution bzw. des bewerteten Teiles der Institution.
Die CAF-Expertengruppe der Innovative Public Sector Group (IPSG) hat Ende September 2009 in Oslo beschlossen, CAF durch die Möglichkeit eines externen Feedbacks zu ergänzen und damit eine Überprüfung und Bestätigung der Selbstbewertung zu ermöglichen.
Aufgrund dieser Überprüfung wird das Gütesiegel „Effective CAF-User“ verliehen. Weitere Informationen des KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung, Wien.
| Bedeutung |
CAF ist Teil der Lissabon-Strategie ![]()
(Auszug aus der vom österreichischen Bundeskanzleramt während
der Ratspräsidentschaft herausgegebenen Broschüre "CAF
wirkt")
Der Europäische Rat von Lissabon betonte im März 2000 die Zielsetzungen der Europäischen Union, die wettbewerbsfähigste und dynamischste wissensbasierte Wirtschaftszone der Welt zu werden, die nachhaltiges Wachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen, einem größeren gesellschaftlichen Zusammenhalt und Bürokratieabbau verbindet. Die erfolgreiche Umsetzung dieser Strategie hängt in hohem Maße von einem kompetenten, professionell agierenden und wettbewerbsfähigen öffentlichen Sektor ab, der von wirksamen Führungsstrukturen, einer innovativen und effizienten Politik und einer leistungsorientierten öffentlichen Verwaltung gekennzeichnet ist. Die Minister für den öffentlichen Dienst der EU-Mitgliedsstaaten kamen im Jahre 2004 dahingehend überein, dass sich die EU-Mitgliedstaaten und EU-Institutionen stärker auf eine Verbesserung der öffentlichen Verwaltungen konzentrieren und alle dazu erforderlichen Anstrengungen unternehmen sollten, um einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Ziele von „Lissabon“ zu leisten. Zu Ende der luxemburgischen Präsidentschaft im Juli 2005 wurden die Arbeitsgruppen des EPAN (Europäischen Netzwerkes der öffentlichen Verwaltungen) zur erfolgreichen Umsetzung von Maßnahmen und Entwicklung von gemeinsamen Werkzeugen beglückwünscht und weitere innovative Schritte in Richtung eines verstärkten Leistungsvergleichs (Benchmarking) und von Best Practices (Vorbildverwaltungen) gefordert. In Bezug auf den CAF sowie andere Qualitätsmanagementinstrumente wurde der Wunsch geäußert, diese Aktivitäten in höherem Maße mit der Agenda von Lissabon abzustimmen. Dementsprechend wurde im neuen mittelfristigen Programm für den Zeitraum 2006 und 2007 vereinbart, dass der Ausbau des Qualitätsmanagement in den öffentlichen Verwaltungen besondere Beachtung finden möge. Im Hinblick auf den CAF vereinbarten die Generaldirektoren für den öffentlichen Dienst anlässlich ihres Treffens in Luxemburg, dessen Verbreitung innerhalb Europas zu fördern. Bei ihrer Konferenz während der britischen Präsidentschaft im Herbst 2006 wurden als Ziel 2.000 registrierte Anwendungen des CAF bis zum Jahre 2010 festgelegt. Die Generaldirektoren begrüßten die österreichische Initiative, die Broschüre „CAF wirkt - Mehr Service und Leistungsqualität für alle“ während der österreichischen Präsidentschaft herauszugeben. |
| Entstehung und Einordnung |
Das CAF-Konzept wurde unter der Schirmherrschaft der Generaldirektoren für die öffentliche Verwaltung entwickelt, und zwar in Zusammenarbeit mit der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, der Europäischen Stiftung für Qualitätsmanagement EFQM und dem Europäischen Institut für Verwaltungsmanagement EIPA, und mit allen Partner (Europäische Kommission und Regierungen der Mitgliedsländer) abgestimmt. Es wurde erstmalig 2001 als "Gemeinsames Europäisches Qualitätsbewertungssystem (Common Assessment Framework – CAF)" von den für den öffentlichen Dienst zuständigen Ministern der EU-Mitgliedstaaten beschlossen, um es "der öffentlichen Verwaltung [zu] erlauben, den Prozess der Selbstbeurteilung ohne hohes Risiko oder hohe Kosten zu testen." Einschränkend hieß es damals: "Eine Organisation, die die Prinzipien des Total Quality Management umfassend einsetzen möchte, sollte eher auf eines der weiter entwickelten und detaillierteren Modelle aus anderen Quellen zurückgreifen."[FN1]
Seit der Fassung von 2002/2003[FN2], wird es als eigenständiges Qualitätsmanagementsystem angesehen, das den Einsatz anderer Konzepte ersetzen kann. Verschiedene Verwaltungen verwenden dennoch entweder das klassische Qualitätsmanagement nach ISO 9001 oder das EFQM-Modell (siehe zum Stand der Verwendung von QM-Konzepten im Beitrag zu Qualitätsmanagement) oder nehmen die Bewertung nach CAF zusätzlich vor.
Aktuell (Mai 2007) liegt das Modell in einer überarbeiteten Fassung 2006 vor (siehe Quellen).
Zusatzinformation (eine gute - englische - Zusammenfassung
der EIPA) ![]()
Verhältnis zum EFQM-Modell
und zu anderen Management-Konzepten
CAF berücksichtigt die Besonderheiten der öffentlichen Verwaltung
und soll vergleichsweise schnell und mit geringen Kosten eine Rückmeldung
zur Qualität der Verwaltungseinheit ermöglichen und eine schrittweise
Verbesserung anstoßen und unterstützen. Es sieht ausschließlich
eine Selbstbewertung vor (kein externes Audit), für die neue Fassung 2006
soll aber auch die Überprüfung durch Peer
Review eingeführt werden, als "Validierung" bezeichnet (aktuell,
November 2007, in der Entwicklung). Damit nähert es sich dem EFQM-Modell
weiter an.
Beide Modelle, EFQM und CAF, haben auch differenzierte Vorschläge für ein schrittweises Vorgehen bei der Einführung. Zu Beginn wird die Institution oft nur einen geringen Punktwert erreichen. Sie erhält aber eine Analyse ihrer Situation und kann dann Verbesserungsbereiche identifizieren und auf der Grundlage der Erkenntnisse einen systematischen Verbesserungsprozess beginnen, dessen Ergebnisse durch weitere Selbstbewertungszyklen sichtbar werden.
EFQM und CAF ist gemeinsam, dass sie keine "Management-Konzepte"
sind, d. h. keine Vorgaben machen, auf welche Weise und mit welchen Instrumenten
die Ergebnisse erreicht werden. Sie sind in dieser Hinsicht offen und können
deshalb auch mit anderen Konzepten kombiniert werden, sowohl mit ISO
9000/9001 als auch mit einer Balanced
Scorecard, oder integriert werden in Konzepte umweltbewussten Managements
wie z. B. EMAS, und sind in gleicher Weise
vereinbar mit den Konzepten eines neuen Verwaltungsmanagements (NSM
/ NPM, WoV). ![]()
| Verwendung von CAF in Europa / Beispiele |
Über die Verwendung von CAF in Verwaltungen in der Europäischen Union informiert eine Broschüre des österreichischen Bundeskanzleramtes, vom EIPA im Internet veröffentlicht:
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Die Schrift enthält jeweils knappe Darstellungen der CAF-Anwendung, ohne externe Bestätigung der Ergebnisse und Bewertungen und oft nach erstmaliger Anwendung. Empfehlenswert sind insbesondere folgende Teile:
Ein gut dokumentiertes Einzelbeispiel hat die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) zur Verfügung gestellt: ZfA-Dokumentation der CAF-Einführung. ![]()
Einsatz von CAF in Deutschland
Über die Verwendung von CAF in den EU informiert die Datenbank
des Europäischen Institut für Verwaltungsmanagement EIPA, soweit
die Anwender ihre Ergebnisse dort eingetragen haben. Für Deutschland sind
38 CAF-Anwender registriert (Stand: 19.02.2006 - die gleiche Anzahl wie im August
2003), die sich jeweils von Assessoren der Hochschule
Speyer hatten begleiten lassen.
Fallbeispiele aus Deutschland enthält auch die genannte Broschüre des österreichischen Bundeskanzleramts. Weitere Informationen sind über das CAF-Netzwerk - nach Registrierung - verfügbar.
| 3. Quellen/Links und Ansprechpartner |
Anmerkungen
| [1] | CAF-Konzept, ursprüngliche Fassung, Anhang 1, Einleitung, von http://www.eipa.nl/CAF/de/GermanAnnexes.htm übernommen am 05.02.2002, nicht mehr verfügbar |
| [2] | Die Fassung wurde auf der Zweiten Qualitätskonferenz für Öffentliche Verwaltungen in der EU vom 2. - 4. Oktober 2002 in Kopenhagen vorgestellt, aber von EIPA unter dem Dateinamen "...2003..." veröffentlicht. |
| © Copyright: Prof. Dr. Burkhardt
Krems, Köln, 2010-05-28 |