Wirkungsorientierte Verwaltungsführung - WoV
(Beitrag im Online-Verwaltungslexikon olev.de, Version 1.3)
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1 Definition
Schweizer und österreichische Variante des Neuen Steuerungsmodells, dort auch "New Public Management" genannt. Besonderes Kennzeichen der Schweizer Konzeption ist die Neugestaltung des Verhältnisses zwischen Politik und Verwaltung auf der Grundlage entsprechender Regelungen in Verfassung und Gesetzen. Das Parlament steuert strategisch durch Vorgabe von Wirkungszielen für einen Zeitraum von mehreren (vier) Jahren und Bewilligung eines Globalbudgets (siehe zur Reformkonzeption des Bundes "Führen mit Leistungsauftrag und Globalbudget - FLAG", interne Quelle im Online-Archiv).
Definition von Schedler (Glossar, 2000, S. 1 bzw. 33):
Die WoV ist kein starres Konzept, sondern sie ist eher eine Führungsidee. Sie muss und kann an ein konkretes Umfeld angepasst werden. Die Praxis in der Schweiz zeigt, dass verschiedene Gemeinwesen sehr unterschiedliche Umsetzungen gewählt haben, wobei es kein „richtiges“ oder „falsches“ Modell gibt, sondern erfolgreiche oder weniger erfolgreiche.
2 Weitere Informationen
2.1 Stand der Wirkungsorientierten Verwaltungsführung in der Schweiz
2.1.1 Bewertung
Zusammenfassend führt Proeller aus (S. 167, Formatierung geändert):
Vergleicht man die Steuerungsmechanismen in der Schweiz heute mit jenen vor zehn Jahren, so kann festgehalten werden, dass Wirkungsorientierte Verwaltungsführung heute zu einem festen Bestandteil der Schweizerischen Verwaltungslandschaft geworden ist, welche neben traditioneller Verwaltungssteuerung in der ganzen Schweiz zu finden ist.
Die vertiefte Analyse der verfügbaren Steuerungsinformationen hat aber deutlich gemacht, dass die Qualität der verfügbaren Informationen den Anforderungen der Wirkungsorientierung und einer ergebnisorientierten Steuerung nur partiell entspricht und Entwicklungspotenzial aufweist. Die Vision der Wirkungsorientierten Steuerung ist in dieser Hinsicht noch nicht erreicht. Dennoch zeigen die Bemühungen und Ergebnisse der vergangenen Reformjahre, ebenso wie auch die internationalen Erfahrungen einerseits, dass Wirkungsinformationen im Steuerungsprozess von zentraler Bedeutung sind. Andererseits zeigt sich auch, dass der Aufbau dieser Informationen einen langwierigen Entwicklungs- und Lernprozess darstellt.
Die Herausforderung der nächsten Jahre und ein Erfolgsfaktor für die Nachhaltigkeit der bisherigen Bemühungen besteht darin, die Vision weiter zu verfolgen und Wirkungsorientierung nicht zur Utopie werden zu lassen.
Die Einschätzung der Verantwortlichen in den Kantonen fasst Steiner (2009, S. 6) wie folgt zusammen:
- Gemeinden, die Public Management-Reformen umgesetzt haben, sind mit den Projekten mehrheitlich zufrieden. Erwartungen haben sich zu einem grösseren Teil erfüllt.
- Positive Effekte: Politik fokussiert mehr auf strategische Themen und es findet eine stärkere Verknüpfung von Aufgaben und Leistungen statt. Milizpolitiker haben vermehrt Zeit für ihre eigentliche Aufgabe und können mit besser geführter Verwaltung zusammenarbeiten (Extremfall: Verwaltungsmanager).
- Kritische Aspekte: Zeitaufwändige Einführung und es braucht Machtpromotoren. Erwartungen dürfen nicht zu hoch geschraubt werden. Einzelne Elemente primär für Parlamentsgemeinden geeignet. Milizpolitiker muss und will sich weiter in Tagesgeschäft einbringen. Fachliche Grenzen.
Eine überwiegend positive Reformbilanz zieht auch Schedler, siehe die oben angegebene Quelle.
2.1.2 Quellen
Zum Stand der Wirkungsorientierten Verwaltungsführung in der Schweiz siehe
- Heimgartner, Martin / Dietrich, Andreas (2008): Wirkungsorientierte Verwaltungsführung in den Schweizer Kantonen. Gegenwärtiger Stand (18. Dezember 2008). Online-Quelle
- Proeller, Isabella (2006): Wirkungsorientierung - Vision oder Utopie der schweizerischen Verwaltungsmodernisierung. In: Birkholz / Maaß / von Maravic / Siebart (Hrsg.): Public Management – Eine neue Generation in Wissenschaft und Praxis. Festschrift für Christoph Reichard. Potsdam 2006, S. 153-169. Online-Quelle am 13.09.2007
- Schedler, Kuno (2004): 10 Jahre Wirkungsorientierte Verwaltungsführung - was noch zu verbessern ist. Online-Quelle / Online-Archiv
- Steiner, Reto (2009): Erfolg und Erfolgsfaktoren – eine Auslegeordnung. Referat auf dem Politforum Thun, 6. März 2009. Online-Quelle der Kurzfassung / Online-Quelle der Folien
Weitere Quellen siehe im Beitrag Neue Verwaltungsführung / NPM/NSM/WOV sowie die Websites, die regelmäßig den Stand und die weitere Entwicklung dokumentieren.
2.2 Rechenschaftslegung
Zur WoV gehört aber auch die Rechenschaftslegung über die Erreichung der Wirkungs-, Leistungs- und Finanzziele, in der Schweiz auf Bundesebene verfassungsrechtlich verankert durch die Verpflichtung in Art. 170 der Bundesverfassung, Massnahmen des Bundes auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Die Rechenschaftslegung erfolgt u. a.
- in der Schweiz
- auf Bundesebene durch die Planung und Geschäftsberichterstattung des Bundesrates,
- z. B. im Kanton Zürich durch die Konsolidierte Entwicklungs- und Finanzplanung KEF,
- weitere Quellen,
- in Österreich z. B. auf Bundesebene durch jährliche Leistungsberichte,
siehe den Leistungsbericht
2004 sowie die weiteren Quellen.
3 Quellen / Links
Siehe im Beitrag Neue Verwaltungsführung / NPM/NSM/WOV
2012-04-10