80-20-Regel (Pareto-Prinzip[1], 80-Prozent-Methode, Ungleichverteilungsregel)

(Beitrag im Online-Verwaltungslexikon olev.de, Version 1.4)

1 Definition

Erfahrungsregel einer typischen Ungleichverteilung: z. B. stehen Aufwand und Ertrag oft[2] in einem nicht-linearen Verhältnis: 80% der Arbeit lässt sich mit 20% Aufwand erledigen. Die restlichen 20% erfordern dagegen 80% Aufwand, also vier mal so viel: "Perfektion" ist anstrengend und teuer.

2 Weitere Informationen

2.1 Anwendungsbeispiele

80-20-RegelDas gilt oft auch für Ursache-Wirkungs-Beziehungen, den Zusammenhang zwischen Fehlerarten und Fehlern, usw.: 20% aller Ursachen können für 80% der Wirkung verantwortlich sein. Das wurde insbesondere für das Qualitätsmanagement übernommen und bedeutet dort, dass 20% der Fehlerarten / Fehlerursachen für 80% der Fehler verantwortlich sind. Qualität lässt sich also u. U. mit geringem Aufwand deutlich verbessern: man muss es nur systematisch anpacken und prüfen, welche Fehlerursachen besonders häufig bzw. besonders "teuer" sind. Bei der Bewältigung von Problemen und Durchführung von Veränderungen gilt entsprechend: Eine Grundlage für die weitere Arbeit ist u. U. bereits gegeben, wenn ein Problem zu 80 % gelöst ist. Produkte bestehen zu 80% aus 20% der Komponenten, was ebenfalls klar signalisiert, um welche Komponenten man sich vordringlich kümmern sollte. Seitenanfang

Diese grundlegende pragmatische Erkenntnis widerspricht einer verbreiteten juristischen Sichtweise, die nur vollständige und perfekte Lösungen akzeptieren will und dabei oft übersieht, dass sie in der Praxis doch nicht erreicht werden können. Dann geschieht die Priorisierung "hinterrücks", unsystematisch und unwirtschaftlich und u. U. mit gravierenderen Folgen als bei einer bewussten Priorisierung.

Die 80-20-Regel ist Grundlage einer sinnvollen Priorisierung, die einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Effizienz des Handelns leisten kann (s. die Stichwörter ABC-Analyse und Priorisierung) und als Teil des Wirtschaftlichkeitsgebotes zu beachten ist.

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2.2 Andere Formulierungen / Regeln

2.2.1 Gossensches Gesetz des abnehmenden Grenznutzens

Differenzierter behandelt die Problematik das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens (Gossensches Gesetz), das besagt, dass der Konsum eines Gutes mit zunehmender Menge einen immer geringeren Zusatznutzen stiftet (vereinfacht: der erste Schluck löscht am meisten Durst) und ab einer bestimmten Menge sogar negativ wirkt (wenn man zu viel trinkt ...). Ausführlicher in Wikipedia ...

2.2.2 Ertragsgesetz / Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs

Ähnliche Zusammenhänge sind für die Produktion beschrieben als Ertragsgesetz, ermittelt zunächst für die Landwirtschaft: intensivere Bearbeitung des Bodens (= Einsatz von mehr des Produktionsfaktors Arbeit) bei gleichem Aufwand an Saatgut und Dünger führt zunächst zu höheren, später zu abnehmenden Grenzerträgen (hier: Ertrag pro zusätzlich eingesetzter Arbeitsstunde). Entsprechendes lässt sich für den Einsatz von Dünger - bei im übrigen gleichem Einsatz der anderen Faktoren - beobachten. Ausführlicher in Wikipedia ...

Zu dem Nutzen des Arbeitskräfte-Einsatzes in Gruppen mit ähnlichen Wirkungen (mehrere, die am Tau ziehen, bringen nicht die entsprechend vielfache Leistung, sondern vielleicht nur 50 %) siehe den Beitrag zum Ringelmann-Effekt.


Anmerkungen

Zurück zum Text Vilfredo Pareto, 1848-1923, italienischer Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe, untersuchte die Vermögensverteilung in Italien und stellte fest, dass sich 80% des Vermögens im Besitz von ca. 20% der Familien befindet. Eine ähnliche Ungleichverteilung ist in vielen anderen Bereichen zu finden.
Zurück zum Text Die Zahlen "80" und "20" sind dabei nicht als exakte Messwerte zu verstehen, sondern signalisieren die Möglichkeit einer erheblichen Ungleichverteilung, die bei Entscheidungen zu berücksichtigen ist, siehe oben die Anwendungsbeispiele. Die Zahlenwerte haben also eine Funktion wie bei der 10er-Regel der Fehlerkosten und der 90-9-1-Regel.