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Wirkungen in historischer Perspektive

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Wirkungen
öffentliche Verwaltung

Wettbewerb
(Beitrag im Online-Verwaltungslexikon olev.de, Version 1.0)


1. Definition
  1. Situation, in der mehrere Anbieter eines Produktes / einer Leistung oder mehrere Nachfrager nach einem Produkt vorhanden sind, so dass die jeweils andere Seite eine Wahlmöglichkeit hat. Das ist i. d. R. die Situation auf einem Markt, wobei der Wettbewerb zumeist nicht "vollständig" ist, d. h. auf einem vollkommenen Markt stattfindet, sondern unvollständig mit der Folge, dass die positiven Wirkungen des Wettbewerbs nur eingeschränkt eintreten.
     
  2. Das Bemühen, Wetteifern der Konkurrenten, um den Verhandlungspartner möglichst zu überzeugen, wobei der Erfolg des Bemühens zu Lasten der Mitbewerber geht.nach oben


2. Weitere Informationen
Wettbewerb - Online-Verwaltungslexikon

Wirkungen des Wettbewerbs

In historischer Perspektive (Oliver Volckart[FN1]):

1. Politische Folgen
Der Wettbewerb hemmt die Entstehung dauerhafter Machtpositionen. Er führt zu einer extrem unübersichtlichen Verteilung politisch relevanter Handlungsrechte (die als Transaktionsgegenstände eingesetzt werden).

2. Wirtschaftliche Folgen
Der Wettbewerb führt zu einer Ausweitung der Freiräume, in denen die Produzenten autonom über den Einsatz ihrer Produktionsmittel und Erträge entscheiden können.

Damit ermöglicht er den besseren Einsatz nicht zentralisierbaren Wissens, -> wachsender Produktivität -> Möglichkeit, sich auf nicht-landwirtschaftliche Gewerbe zu spezialisieren -> Verbreitung und Wachstum von ökonomischen Märkten -> weiter zunehmender Spezialisierung und Zunahme der Produktivität.

Auf diesem sich selbst verstärkenden Prozess beruhen Wachstum, kulturelle Blüte und politische Expansion West- und Mitteleuropas im 11. bis 14. Jh.nach oben

Im Hinblick auf die Befriedigung des Bedarf und Fortschritt

Gibt es mehrere Anbieter, sind diese bestrebt, die Nachfrage an sich zu binden, indem sie entweder eine möglichst gute Leistung, eine Leistung zu einem günstiger Preis oder ein möglichst für den Nachfrager günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis anstreben. Damit wird ein ständiges Streben nach Verbesserungen ausgelöst, das letztlich zum Vorteil der Nachfrager ist. Darauf hat schon Adam Smith hingewiesen[FN2] .

Der Sinn des Wettbewerbs liegt nicht darin,
jemanden zu besiegen, sondern aus jedem Mitspieler das Beste herauszuholen.
(Walter Wheeler)

Funktionen des Wettbewerbs

  1. Politisch: Verhinderung dauerhafter Machtpositionen (Volckart[FN1])
  2. Ausrichtung der Produktion an den Präferenzen der Nachfrager
  3. Herbeiführung einer optimalen Allokation der Ressourcen
  4. Generierung einer am Leistungsprinzip orientierten (Primär-) Einkommensverteilung
    (Kantzenbach, E.: Die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs, 2. Aufl., Göttingen 1967, S. 15 ff.).

Weitere Funktionen : nach oben

  1. Förderung des technischen und organisatorischen Fortschritts (vgl. Herdzina S. 25 ff.)
  2. Flexible Anpassung der Produktion und der Produktionstechnologie an Änderungen der Nachfrage oder Änderung staatlich festgesetzter Rahmendaten.

    (Kantzenbach, a. a. O. S. 49)

Situation der öffentlichen Verwaltung

Wegen dieser Anreizwirkung des Wettbewerbs ist eines der Anliegen des Neuen Steuerungsmodells, soweit wie möglich Wettbewerb zuzulassen oder zu schaffen ("Wettbewerb soweit wie möglich"). Wo Wettbewerb nicht möglich ist, sollen zumindest die Möglichkeiten für Quasi-Wettbewerb genutzt werden durch Benchmarking ("Leistungsvergleich") oder Wettbewerb um Auszeichnungen/Preise (z. B. Qualitätspreise).nach oben

Für diese Wirkungen ist Transparenz und Rechenschaftspflicht der Akteure der öffentlichen Hand gegenüber der Öffentlichkeit unverzichtbar, was nicht immer erkannt wird. Benchmarking, dessen Ergebnisse nur den beteiligten Behörden bekannt ist, hat u. U. keine Anreizwirkung, weil der Druck von außen fehlt.

Transparenz und Rechenschaft erfordern wiederum klar definierte messbare Ziele (>Ziele und Kennzahlen).

Die Verpflichtung zu Transparenz und Rechenschaft ist im übrigen auch die Folge aus der von Deutschland übernommenen Verpflichtung zu Good Governance.

Die Kosten- und Leistungsrechnung als Marktersatz?nach oben

Bei vielen Produkten ist Wettbewerb derzeit nicht möglich, deshalb müssen die Wirkungen des Wettbewerbs durch geeignete andere Instrumente ersetzt werden.

Adamaschek[FN3] hat darauf hingewiesen, dass der Markt eine ganzheitliche Bewertung vornimmt, d. h. alle Aspekte der Qualität der Leistung (einschließlich Qualität des Service usw.) im Verhältnis zum Preis bewertet. Die KLR, in der Form, wie sie in der Privatwirtschaft praktiziert wird, hat in der öffentlichen Verwaltung aber eine andere Wirkung, wenn die Verbindung zum Markt fehlt:

Eine Kosten- und Leistungsrechnung ist systemisch mit dem Markt verbunden. Wo diese Verbindung fehlt, muss dessen dreifache Informations- bzw. Anreizwirkung ersetzt werden: Eine Kosten- und Leistungsrechnung ist zwar nützlich, sie greift jedoch im öffentlichen Sektor zu kurz, wenn sie auf die herkömmliche Version beschränkt bleibt, wie sie im privaten Sektor angewandt wird.

Um die Kosten- und Leistungsrechnung auch im öffentlichen Sektor sinnvoll einzusetzen, ist sie dreifach zu ergänzen, und zwar um die Ganzheitlichkeit der Leistungsbeurteilung, um den Vergleich und um wirksame Optimierungsanreize.

Dafür müssten Leistungsvergleiche eingesetzt werden (= "Benchmarking"), sonst erreicht die KLR keine dem Markt in der Privatwirtschaft vergleichbare Wirkungen, sie läuft leer und verkommt schlimmstenfalls zum Zahlenfriedhof.nach oben

 


Anmerkungen

[1] Vorlesung „Vorindustrielle Wirtschaftsgeschichte“, 22.05.2003, an der Humboldt-Universität Berlin, Online-Quelle am 18.08.2007, sowie in weiteren Veröffentlichungen
[2] Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen. (Aus dem Englischen übertragen ... von Horst Claus Recktenwald.) München (dtv). 1978 (Original: An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, 1776)
[3] Adamaschek, Bernd: Der interkommunale Leistungsvergleich - Erfahrungen in Deutschland. In: Meurer/Stephan (Hrsg.), Rechnungswesen und Controlling in der öffentlichen Verwaltung, Loseblattwerk, 1999 ff.nach oben

 


© Copyright: Prof. Dr. Burkhardt Krems,
Köln, 2007-08-18
http://www.olev.de/w/wettbewerb.htm