|
||||||||||||||||||||||
Gliederung
von Zielen und Kennzahlen
für Management und Controlling
(Managementunterstützung), einschließlich einer systematischen und
verdichteten Berichterstattung.
Zielfelder (Berichtsfelder) sind insbesondere die Elemente des "magischen Dreiecks" des Public Managements: Wirkungen, Leistungen, Kosten/Finanzen. Die Weiterentwicklung kann nach dem Konzept der Balanced Scorecard erfolgen bzw. wird die Anforderungen eines TQM-Konzepts berücksichtigen.
Gesamtkonzept für Zielfelder und Ziele im Überblick
| Zielfeld / Berichtsfeld | Ziele (siehe unten für weitere Beispiele und Kennzahlen) | ||
| 1. | Auftragserfüllung | (= "Sachziel") |
|
| 1.1 Wirkungen
subjektiv / objektiv = Outcome, Effektivität |
Wozu | subjektive Wirkung: Adressaten ändern
ihre Einstellungen/ihr Verhalten (= "Impact"),
Kundenzufriedenheit mit der Leistung; |
|
| 1.2 Leistungen
= Output |
Was | Menge, (Produkt-) Qualität, Zeit | |
| 2. | Finanzziele | Womit | Stückkosten, Kostendeckungsgrad / Deckungsbeitrag |
| 3. | Servicequalität
(Kundenfreundlichkeit i.e.S.) |
Wie | z. B. Öffnungszeiten, Wartezeiten, Freundlichkeit, Beratungsqualität, |
| 4. | Mitarbeiterpotenzial | z. B. Motivation, Qualifikation, Zufriedenheit | |
| 5. | Gesellschaftliche Verantwortung | soziale, ökologische, kulturelle Verantwortung, Beitrag zur lokalen Lebensqualität, Nachhaltigkeit | |
| © Krems - olev.de - 2007-12-17 | |||
Erläuterungen zum Vorschlag / Anforderungen an Zielsysteme
Der Vorschlag nimmt die Vorarbeiten anderer (siehe Herleitung) auf, kombiniert und systematisiert sie, um die folgenden Anforderungen zu erfüllen, an denen jedes Zielkonzept zu messen ist:
|
|||||||||||||||||||
Verhältnis zur "Balanced Scorecard" und zum Umfassenden Qualitätsmanagement TQM
Es gibt zur Zeit kein allgemein akzeptiertes Konzept zur Umsetzung der Balanced Scorecard für die öffentliche Verwaltung. In vielen Fällen werden die hier vorgesehenen Ziele lediglich anders gruppiert bzw. unter anderen Überschriften zusammengefasst.
Unter der Überschrift "BSC" verbergen sich in der Praxis z. T. sehr begrenzte Konzepte, die alt bekannte Kennzahlen in eine wohlklingende neue, aber logisch und sachlich schwer verständliche Begrifflichkeit einordnen und dem Anspruch einer neuen Qualität der (Output- oder gar Outcome-) Steuerung) nicht gerecht werden. Wer z. B. die Qualität durch die Beschwerdequote erfassen will weiß vielleicht nicht, dass sich nur ein kleiner Teil von Unzufriedenen beschwert (bei Dienstleistungen 4% bis 15%), damit taugt dies wenig zur Beurteilung der Qualität. Und die Zahl von Fortbildungstagen als Kenngröße für "Innovation und Lernen" übersieht vielleicht, dass dies eine Input-Größe ist, die wenig aussagt über die Zunahme an Qualifikation der Beschäftigten (differenzierter könnte Bildungscontrolling ), der Krankenstand nichts über die Motivation oder gar "Commitment", usw. Ohne Kunden- und Mitarbeiterbefragung und die Ergänzung durch Expertenbefragungen sowie Transparenz der Ergebnisse lassen sich diese Ziele nicht sinnvoll formulieren und kontrollieren. Und für die öffentliche Verwaltung gehört die Dokumentation der Erreichung der Outcome-Ziele an die erste Stelle, denn sie liefern erst die Existenzberechtigung - in verbreiteten BSC-Konzepten dagegen erscheinen sie eher an untergeordneter Stelle.
Dass nicht die Finanzperspektive an die erste Stelle einer BSC für die öffentliche Verwaltung gehört, haben bereits die Verfasser des Konzepts selbst gesagt und darauf hingewiesen, dass die Erfüllung der Mission (und damit: Wirkungen / Outcome) an die Spitze der Zielpyramide gehören[FN7].
Siehe ausführlicher im BSC-Beitrag
| 3. | Beispiele für Zielfelder, Ziele, Kennzahlen |
| Zielfeld (= Berichtsfeld) / Ziele und Beispiele |
Kennzahlen-Beispiele |
|||||||||||||||||
| 1. |
Auftragserfüllung |
(= "Sachziel") | ||||||||||||||||
| |
1.1 Wirkungen ("Wozu" = Outcome, Effektivität) z. B. Erfolg von Bildungs- und Fördermaßnahmen, verbesserte Sicherheit, Gesundheit; Kundenzufriedenheit mit der Leistung (= "Impact") |
|
||||||||||||||||
| 1.2 Leistungen ("Was" = Output) | das unmittelbare Ergebnis der Tätigkeit | |||||||||||||||||
| 1.2.1 Menge möglichst viel / umfassend / vollständig |
Zahl von Bescheiden, Steigerungsrate, Quote der aufgeklärten Straftaten, der erfassten Parksünder, Zahl von abgegebenen Informationsbroschüren , durchgeführten Informationsveranstaltungen | |||||||||||||||||
| |
1.2.2 (Produkt-) Qualität |
Fehlerquote, Quote erfolgreicher Widersprüchen,
Aktualität von Daten (Quote veralteter Informationen), Verständlichkeit
von Informationsbroschüren beurteilt durch Nutzer. IT-Referat: Erfolgsquote
der Behebung von gemeldeten Störungen. Personalreferat: Ausmaß
der Erfüllung des Anforderungsprofils des bereit gestellten Personals |
||||||||||||||||
| |
1.2.3 Zeit schnell bzw. zeitgerecht |
Durchlaufzeit in 85 % der Fälle, ggf. differenziert nach Schwierigkeitsgrad, Wartezeit für eine Auskunft, Reaktionszeit auf Störungsmeldungen, Quote der zeitgerecht veröffentlichten Statistiken, bereit gestellten Informationsbroschüren, |
||||||||||||||||
| 2. |
Finanzen ("Womit") |
|||||||||||||||||
| |
2.1 Kosten der Maßnahmen, Stückkosten |
Euro, Euro pro Fall, ggf. differenziert nach Fallgruppen |
||||||||||||||||
| |
Erlöse zu
Kosten (mal 100 = %-Satz) / |
|||||||||||||||||
| |
2.3 Verwaltungskostenanteil (Beispiel eines weiteren möglichen Zieles) |
Verwaltungskosten im Verhältnis zur Fördersumme in %, Overheadkosten (-quote) |
||||||||||||||||
| 3. | Servicequalität ("Wie")
|
|
||||||||||||||||
| 4. |
Mitarbeiterpotenzial
|
|
||||||||||||||||
| 5. |
Zusammenfassende Bewertung über Nachhaltigkeitsindices | |||||||||||||||||
| 5.1 soziale Verantwortung, insbesondere Diversität[FN1] |
Erfüllung der Schwerbehindertenquote, Einhaltung einer Vereinbarung nach § 6 Schwerbehinderten-Gleichstellungsgesetz, [FN1], Anzahl der Ausbildungsplätze in Relation zum Eigenbedarf, Quote der Beschäftigten mit Migrationshintergrund [FN3] |
|||||||||||||||||
| 5.2 ökologische Verantwortung |
z. B. Quote der Verwendung umweltfreundlicher Produkte; Zertifizierung nach EMAS |
|||||||||||||||||
| 5.3 kulturelle Verantwortung |
Förderung kultureller Aktivitäten der Mitarbeiter, kulturelle Aktivitäten in der Institution (Ausstellungen, Lesungen), Umfang der verwendeten Kunstobjekte |
|||||||||||||||||
| 5.4 Verantwortung für die lokale Lebensqualität |
Vernetzung mit lokalen Aktivitäten, z. B.
Nutzung der Einrichtungen durch lokale Träger, Förderung von Aktivitäten
von NGO’s (NRO's) vor Ort, Beitrag zur lokalen
Agenda 21 |
|||||||||||||||||
| © Krems - olev.de - 2009-10-11 | ||||||||||||||||||
Diese Zusammenstellung enthält ausgewählte Beispiele für Ziele und Kennzahlen für bestimmte Aufgabenbereiche (Bildung, Sicherheit, Gesundheit, Information der Öffentlichkeit). Die Definition geeigneter operationaler Ziele und Kennzahlen ist eine besondere Problematik,
Für diese Arbeit kann aber inzwischen auf verschiedene Quellen
zurückgegriffen werden:![]()
Siehe auch die weiteren Beiträge in diesem Lexikon:
| 4. Quellen (Literatur, Internet-Adressen) |
Literatur
Siehe die Literatur zu
Besondere Literaturquellen:
| Bertelsmann-Stiftung | 2001 |
Leistungsvergleich zwischen Finanzämtern. Online im Internet: http://www.leistungsvergleich.de/, übernommen am 18.01.2001 |
| Bertelsmann-Stiftung | |
KiK - Kernkennzahlen in der Kommunalverwaltung, jetzt integriert in das Projekt "Kommunal KOMPAKT! ", Online-Quelle |
| BBB - Bundesstelle für Büroorganisation und Bürotechnik im Bundesverwaltungsamt (Hrsg.) | 2004 | Steuern mit Zielen und Kennzahlen. Köln 2004 (Zusammenfassung im Internet) |
| Gladen, Werner | 2001 | Kennzahlen- und Berichtsysteme. Grundlagen zum Performance Measurement. Wiesbaden 2001 |
| KGSt | 2001 | Arbeit mit Kennzahlen : Grundlagen, Empfehlungen für die Praxis. - Köln : KGSt, Berichte 4 und 5/2001 |
| Rieder, Stefan | 2005 |
Leistungs- und Wirkungsmessung in NPM-Projekten. Erfahrungen – Konzepte – Ausblick, in: Lienhard, Andreas, et al. (Hrsg.): 10 Jahre New Public Management in der Schweiz – Bilanz, Irrtümer und Erfolgsfaktoren; Bern 2005, S. 149 ff. |
| Schnieders, Günter | 2001 |
Kernkennzahlen am Beispiel der Sozialhilfe. Benchmarking-Projekte in Niedersachsen als Motor für die Neue Steuerung. In: VOP Nr. 4/2001, S. 17-19 |
Anmerkungen
| [1] | Die Ziele der Gleichstellung und Gleichbehandlung lassen
sich unterschiedlich zuordnen. Im Gemeinsamen Europäischen
Qualitätsbewertungssystems CAF sind sie Teil des Themenfeldes "Personalmanagement".
Das ist m.E. nur richtig im Hinblick auf in der Institution vorhandenen
Personen - die Angrenzung sollte sich am Systemmodell
orientieren. Die Personalgewinnung unter Berücksichtigung der Chancengleichheit,
der Erfüllung der Schwerbehindertenquote usw. ist dagegen Ausdruck
einer gesellschaftlichen Verpflichtung und sollte deshalb dem 5. Zielfeld
zugeordnet sein, im CAF entsprechend dem Themenfeld
8, Gesellschaftsbezogene Ergebnisse. |
| [2] | Konkretes Beispiel (Leistungsvergleich zwischen Finanzämtern) im Internet unter http://www.leistungsvergleich.de (Stand: 18.01.2001) sowie Schnieders, Kernkennzahlen am Beispiel der Sozialhilfe. Benchmarking-Projekte in Niedersachsen als Motor für die Neue Steuerung. In: VOP Nr. 4/2001, S. 17-19. Auch das Projekt "Kernkennzahlen in der Kommunalverwaltung - KiK -" verwendet die genannten vier Zielfelder, aber z. T. mit anderer Bedeutung und entsprechend anderen Zielen. In anderen Projekten wird z. T. ein Zielkonzept vertreten, das sich an dem BSC-Konzept orientiert und dann den Problemen unterliegt, die oben diskutiert werden. |
| [3] | Diese aus klassischen Einwanderungsländern, insbesondere den USA, bekannte Problematik wird in der deutschen Verwaltung derzeit noch kaum gesehen, ist aber Teil der Kriterien des Gemeinsamen Europäischen Qualitätsbewertungssystems CAF, und zwar des Themenfeldes 3, Personalmanagement, Indikator 3.1.9. |
| [4] | siehe z. B. die "Konsolidierten Entwicklungs- und Finanzplanung - KEF", eine wirkungsorientierte Haushaltsplanung, sowie die Materialien unter http://www.wif.zh.ch/. Zur Bundesverwaltung siehe die Links im Beitrag zum Neuen Steuerungsmodell |
| [5] | |
| [6] | Allerdings mit dem Nachteil,
Unklar ist auch die fachliche Grundlage: ist dies die Meinung der aktuell
mit dieser Frage befassten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im BMI, oder
der fachlich umfassend abgesicherte Stand einer Konzeption, von der man
erwarten kann, dass sie auch noch in 5 Jahren gültig ist? Immerhin
interpretiert das Bundesfinanzministerium die BSC-Konzeption anders, siehe
oben im folgenden Absatz. Gibt es in dieser Frage keine konzeptionelle
Abstimmung innerhalb der Bundesregierung? |
| [7] | Darauf weist Moore, The Public Value Scorecard, S. 6, hin. |
| |
|
| © Copyright: Prof. Dr. Burkhardt Krems, Köln, 2009-12-19 | http://www.olev.de/xyz/ziele_kennzahlen.htm |