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  Mitarbeiterengagement und Erfolg
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  Benchmarking-Arten (je nach Partner)
  Vorgehen / Verfahren (PAS 1014, Verhaltenskodex)
  Funktion / Bedeutung
  Situation in Deutschland
   Situation in der Schweiz
  Das Best Value-Konzept im UK
 

Benchmarking-Beispiele

Quellen
  Literatur
  Internet-Adressen
Benchmarking (Leistungsvergleich)
(Beitrag im Online-Verwaltungslexikon olev.de, Version 2.92)
 

1 Definitionen

1.1 Kurzformeln

"Besser werden durch Lernen von anderen"
(Definition des Public Sector Benchmarking Service, UK, siehe die Erläuterungen und [4])

"Das Verfahren, vorbildliche Lösungen zu ermitteln und davon zu lernen"
("The process of identifying and learning from best practices in other organisations" - Definition im European Benchmarking Code of Conduct).

"Lernen von den Besten" (siehe dazu aber unten)

1.2 Definition

Objektiver Vergleich von Kosten, Leistungen, Wirkungen (im Sinne von Outcome), Prozessen, Technologien oder Strukturen mit anderen Einheiten (intern / horizontal / intersektoral / vertikal / international) anhand von Kennzahlen oder Standards, um Möglichkeiten der Verbesserung und die dafür erforderlichen Bedingungen zu ermitteln und von anderen zu lernen: best practice.

Benchmarking ist der Vergleich von ...  

Was

 Objekte 

Womit

  • mit anderen Einheiten:
    intern / horizontal / intersektoral / vertikal / international
 Partner 

Wie

 Kriterien 

Wozu

 Ziele 
Krems - olev.de - 05.12.2005
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Erläuterungen zu Was und Womit Seitenanfang

1.3 Bedeutung für Verwaltung, Politik und Gesellschaft

1.3.1 Regelungen zu Benchmarking im Grundgesetz

Mit der Föderalismusreform II ist die Bedeutung von Benchmarking auch verfassungsrechtlich anerkannt, indem das Grundgesetz die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern in diesen Fragen ausdrücklich zulässt und damit diese Art der "Mischverwaltung" erlaubt.

Für Benchmarking allgemein werden keine gesetzlichen oder gar verfassungsrechtlichen Regelungen benötigt: es gehört zum normalen Regierungs- und Verwaltungsgeschäft, ist Teil der Verwaltungskompetenz. Dass das Grundgesetz besondere Regelungen geschaffen hat, belegt aber die große Bedeutung, die diesem Instrument beigemessen wird.

Die von der Verfassung eingeräumten Möglichkeiten für ein übergreifendes Benchmarking werden im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP für die 17. Legislaturperiode des Bundestages aufgegriffen. Im Abschnitt IV 5 heißt es dazu:

"Leistungsvergleiche nach Art. 91d GG müssen zu einem Instrument der Verwaltungsentwicklung werden. Ein jährliches Arbeitsprogramm soll die Bereiche von Leistungsvergleichen festlegen."

Das wird durch das "Regierungsprogramm Vernetzte und transparente Verwaltung", vom Bundeskabinett am 18. August 2010 beschlossen, wie folgt konkretisiert:

Leistungsvergleiche
Artikel 91d GG bietet die Basis für Leistungsvergleiche sowohl auf Bundesebene als auch zwischen Bund und Ländern. Leistungsvergleiche schaffen Transparenz, erleichtern das Lernen von anderen und fördern Prozess- und Leistungsverbesserungen. Die Bereiche von Leistungsvergleichen werden in einem jährlichen Arbeitsprogramm festgelegt. Dabei soll jedes Ressort bis 2013 nach Möglichkeit an mindestens einem Vergleichsring teilnehmen.

(übernommen von http://www.verwaltung-innovativ.de am 13.12.2010)

Konkrete Vorhaben werden wie folgt definiert:

Leistungsvergleiche nach Art. 91d GG

Projektbeschreibung:
Leistungsvergleiche schaffen Transparenz. Im Vordergrund stehen dabei der Nutzen eines kontinuierlichen Austausches von Erfahrungswissen und das Lernen von anderen während des Vergleichsprozesses. Darüber hinaus können Leistungsvergleiche dem Gesetzgeber wichtige Hinweise zur Qualität und Wirksamkeit der Gesetze geben.

Strategisches Ziel für die 17. LP:
Wir wollen ein jährliches Arbeitsprogramm zur Durchführung von Leistungsvergleichen ausarbeiten. Dabei soll jedes Ressort bis 2013 nach Möglichkeit an mindestens einem Vergleichsring teilnehmen. Wir wollen ferner die Durchführung von Leistungsvergleichen durch Länder und Kommunen hinsichtlich des Vollzugs von Bundesrecht unterstützen und die Erkenntnisse in das Gesetzgebungsverfahren einfließen lassen.

Beteiligte Ressorts:
BMI (federführend), alle Ressorts

Ausblicke und Meilensteine bis 2010:
■ 2. Quartal 2010: Arbeitsprogramm 2010/2011
■ 3. Quartal 2010: Beginn Umsetzung der Projekte/Aufbau Infrastruktur Ausblicke und Meilensteine bis 2013:
■ 2011: Arbeitsprogramm 2011/2012 Bericht über erstes Arbeitsprogramm
■ 2012: Arbeitsprogramm 2012/2013, einschl. Bericht 

(übernommen von http://www.verwaltung-innovativ.de am 13.12.2010)

1.3.2 Bedeutung allgemein

Benchmarking hat ein großes Potenzial, um mit vergleichsweise geringem Aufwand Möglichkeiten der Verbesserung zu erkennen und sich einem von anderen bereits erreichten Standard anzunähern (aufzuholen). Es ist weniger geeignet, die Vorreiterrolle zu übernehmen oder strategische Herausforderungen zu bewältigen.

Mit Benchmarking kann Quasi-Wettbewerb geschaffen werden in Bereichen, die dem Wettbewerb nicht unterliegen, also insbesondere für die öffentliche Verwaltung. Dazu ist es zusätzlich erforderlich, dass die Ergebnisse veröffentlicht werden, damit Anreize geschaffen werden, aus den Ergebnissen Konsequenzen zu ziehen.

Dieser Quasi-Wettbewerb kann sogar für nationale Bildungssysteme (siehe PISA), andere nationale oder regionale Politikbereiche oder für Volkswirtschaften erzeugt werden und wird mit dieser Funktion systematisch von der OECD entwickelt und eingesetzt, auch für den Vergleich der Leistungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung (siehe Benchmarking durch die OECD).

Der Vergleich der Ergebnisse der nationalen Politik anhand von Kennzahlen ist aber auch ein gängiges Mittel der EU, um europäische Ziele (z. B. der Lissabon-Strategie) in nationale Ziele zu übersetzen und die Erreichung dieser Ziele zu fördern, insbesondere in den Politikfeldern, in denen die EU keine eigenen Kompetenzen hat, z. B. in der Bildungspolitik mit der "Methode der offenen Koordinierung".

1.3.3 Benchmarking in der Sozialversicherung

Benchmarking ist für die Sozialversicherung gesetzlich vorgeschrieben: SGB IV § 69 Abs. 5: "Die Träger der Kranken- und Rentenversicherung führen in geeigneten Bereichen ein Benchmarking durch." Die Unfallversicherung ist von dieser Verpflichtung also ausgenommen - was sie aber nicht hindert, dieses Instrument freiwillig einzusetzen.

1.3.4 Mitarbeiterengagement

Insbesondere Kunden- und Mitarbeiterbefragungen sind heute Standard guten Managements und erlauben Vergleiche, auch über die Grenzen des eigenen Fachgebietes hinaus, vgl. z. B. die als Teil eines Forschungsprojekts entstandene Studie „Unternehmenskultur, Arbeitsqualität und Mitarbeiterengagement in den Unternehmen in Deutschland", die diese Aspekte repräsentativ für Deutschland erhoben hat und damit auch den Vergleich mit anderen Institutionen ermöglicht. Ziel war es insbesondere, den Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur, Mitarbeiterengagement und Unternehmenserfolg zu untersuchen. Mehr dazu und Quellen in [5].

Benchmarking - Online-Verwaltungslexikon Seitenanfang

2 Weitere Informationen

Lernen von
den Besten?

2.1 Alternative Definition: "Lernen von den Besten"?

Benchmarking wird oft definiert als "Lernen von den Besten". Das ist eine verführerisch einfache und herausfordernde Definition, die gefährlich sein kann: "Das Kopieren von Methoden der Klassenbesten führt meist zu Misserfolg und Frustration", warnt Deming, der "Vater des TQM", nachdrücklich. Es komme darauf an, dass man die Verfahren und ihre Erfolgsbedingungen vollständig verstanden habe.

Für die Privatwirtschaft kann diese Devise, mit entsprechender Vorsicht verwendet, sinnvoll und sogar überlebenswichtig sein - und war es wohl für Rank Xerox, die als "Erfinder" des Benchmarking gelten. Wenn

    1. marktgängige Produkte[3] hergestellt werden,
    2. die mit den Produkten anderen Hersteller vergleichbar sind,
    3. unterschiedliche Rahmenbedingungen und Zielkonflikte mit verschiedenen öffentlichen Belangen keine Rolle spielen - der Markt erlaubt keine Differenzierung,
    4. vor allem aber: wenn es eindeutige Erfolgsgrößen gibt, nämlich Kennzahlen für den wirtschaftlichen Erfolg, in Geldeinheiten zu messen, Seitenanfang

ist die Orientierung an den jeweils Besten möglich und sinnvoll.

Ziel des Benchmarking ist
- zu vergleichen, um zu sehen,
- zu analysieren, um zu erkennen und
- zu lernen, um zu verbessern.

Die Sozialgerichtsbarkeit NRW: Organisationsentwicklung – einschließlich Benchmarking – Stand: Februar 2005, S. 20 (Hervorhebung ergänzt). Online-Quelle am 13.06.2007

Für die öffentliche Verwaltung ist die Situation in vielen Fällen anders: der Erfolg lässt sich nicht in Geld messen, sondern nur durch mehrdimensionale Kennzahlensysteme (siehe den Beitrag Ziele und Kennzahlen), wenn er überhaupt eindeutig messbar ist, d. h. es steht weniger eindeutig fest, wer "der Beste" ist. U. U. gibt es auch kaum vergleichbare Organisationen, weil es sich nicht um marktgängige Produkte handelt, die Behörde eine Monopolstellung hat. Die Rahmenbedingungen sind zu berücksichtigen, die Übertragbarkeit der Verfahren ist problematischer, usw.

Deshalb entspricht die vorsichtigere Definition, wie sie seinerzeit der Public Sector Benchmarking Service verwendete[4], eher den Bedürfnissen der öffentlichen Verwaltung. Auch die (rot-grüne) Bundesregierung hatte diese Definition in ihrer Fortschreibung des Regierungsprogramms "Modernern Staat - Moderne Verwaltung, 2004 übernommen. Seitenanfang

Diese Definition schließt die Orientierung am (an den) Besten und damit Quasi-Wettbewerb "soweit wie möglich" nicht aus,


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2.2 Benchmarking-Objekte ("Was")

Im Rahmen des Benefit-Projektes wird die folgende Klassifikation vorgeschlagen[1]:

Dies entspricht verschiedenen Ebenen der Zusammenfassung der Leistungen (Aggregationsstufen), ist aber weniger anschaulich.

Nicht ausdrücklich erkennbar ist in der Benefit-Definition allerdings der Vergleich der Wirkungen (Outcome), obwohl in der Praxis bereits gängig (z. B. bei der Sozialhilfe, und die konkrete Problematik der Arbeitsverwaltung ist die Problematik des Outcome: gelingt es, Arbeitslosigkeit zu verringern?) und besonders wichtig (s. Outcome, Wirkungsrechnung, Effizienz). Seitenanfang

Die Aufzählung in der oben vorgeschlagenen Definition orientiert sich an der praktischen Relevanz und konkreteren Fragestellungen, sie entspricht der allgemeinen Systematik des Verwaltungsmanagements und sensibilisiert insbesondere für die besonders wichtige Frage der Wirkungen.



2.3 Benchmarking-Arten je nach Vergleichspartnern
(in Anlehnung an die Definitionen im Rahmen des Benefit-Projektes)


 SeitenanfangBenchmarking - Online-Verwaltungslexikon Seitenanfang

2.4 Vorgehen

Das Modell DIN PAS 1014
Für das Vorgehen beim Einsatz von Benchmarking, insbesondere auch in der öffentlichen Verwaltung, ist ein Modell entwickelt und als DIN PAS[2] 1014: Vorgehensmodell für das Benchmarking von Dienstleistungen. Berlin, 2001, veröffentlicht worden. Eine Erläuterung der Entstehung und des Modells enthalten u.a. die Beiträge von Grieble sowie BBB.

Verhaltenskodex
Benchmarking ist im übrigen nur auf freiwilliger Basis möglich und erfordert deshalb Vertrauen zwischen den Vergleichspartnern, das durch die Einhaltung von Regeln unterstützt wird. Für diese gibt es inzwischen weithin akzeptierte Standards, für Europa den Europäischen Verhaltenskodex für Benchmarking (The European Benchmarking Code of Conduct).

Benchmarking - Online-Verwaltungslexikon


2.5 Funktion von Benchmarking

Für die öffentliche Verwaltung sollen damit Anreize zu ständiger Verbesserung durch einen Quasi-Wettbewerb geschaffen werden, auch wenn kein Markt existiert, der diese Funktion übernehmen könnte. Adamaschek u. a. weisen darauf hin, dass auch das nicht ausreicht: es ist Öffentlichkeit erforderlich, damit diese Anreizwirkung entsteht (Adamaschek 2004, 19)! S. dazu auch den Beitrag Berichtsfelder. Seitenanfang

Benchmarking ist ein pragmatisches Verfahren, das ohne aufwändige Untersuchungen Beiträge zur Verbesserung erbringen kann (z. B. kann eine Organisationsuntersuchung oder Personalbedarfsermittlung unterbleiben, wenn über Benchmarking Verbesserungspotenzial und Leistungs-, Kosten- oder Personalbedarfs-Kennzahlen ermittelt worden sind). Dies ist in der (Bundes-) Verwaltung großenteils noch nicht erkannt - auch Organisatoren sind konservativ!

Allerdings ist die Wirkung von Benchmarking dadurch begrenzt, dass die Ergebnisse nicht besser sein können als der Stand der Klassenbesten. Stellen sich neue strategische Herausforderungen, die alle Partner zu bewältigen haben - und noch nicht angegangen sind - hilft Benchmarking nicht, so z. B. im Hochschulbereich. S. dazu den Beitrag "Benchmarking und Fachhochschul-Entwicklung".

Die Verwertung der Ergebnisse des Benchmarking wird auch als best practice bezeichnet. Dazu gehört, die eigene Situation und die eigenen Prozesse gut zu verstehen, die Bedingungen zu ermitteln, unter denen andere Vergleichspartner jeweils besser sind, und dann zu prüfen, auf welchem Wege entsprechende Verbesserungen erreicht werden können. Das kann, muss aber nicht, die Übernahme der Lösungen von anderen sein. Möglich und in vielen Fällen sinnvoll ist es vielmehr, nach eigenen Wegen zu besseren Ergebnissen zu suchen, die der eigenen Situation gerecht werden, und möglichst den Stand der bisherigen Klassenbesten zu überbieten.

Deming, der "Vater des TQM", warnt nachdrücklich: "Das Kopieren von Methoden der Klassenbesten führt meist zu Misserfolg und Frustration", formuliert er in seinem "3. Stolperstein". Man müsse die Verfahren erst vollständig verstanden haben, ehe man sie mit Erfolg übernehmen könne.

Die Verwertung der Ergebnisse des Benchmarking ist in Deutschland z. T. noch nicht in seiner ganzen Problematik erkannt, s. dazu einige Hinweise im Beitrag "Best-Practice-Kriterien". Seitenanfang

Benchmarking - Online-Verwaltungslexikon


2.6 Situation in Deutschland

Benchmarking entwickelt sich zu einem besonders wirksamen Instrument modernen Managements im öffentlichen Sektor. Besonders ausgeprägt ist dies im Bildungsbereich, in dem Vergleiche zwischen den Bundesländern (PISA-Ergänzungsstudien) zum Outcome (erreichte Kompetenz) Standard sind, innerhalb der Bundesländer z. T. regelmäßige Vergleichsmöglichkeiten durch zentrale Abschlussprüfungen und Lernstandserhebungen geschaffen worden sind (siehe Erfolgsgeschichte Bildungsbenchmarking). Ein "Benchmarking" findet in Sicherheitsfragen über regelmäßig veröffentlichte Daten der Kriminalstatistik statt, z. B. über die "Kriminalitätsbelastung" von Großstädten, ländlichen Regionen usw., allerdings mit der begrenzten Aussagekraft der Datenquelle "Kriminalstatistik". Standortwertbewerb wird erzeugt durch z. T. private oder gemeinnützige Akteure, die ein "Ranking" der Standortqualität von Bundesländern, Regionen, Großstädten, Hochschulen durchführen, letzteres auch mit Unterstützung des Centrum für Hochschulentwicklung CHE. Aufgrund einer Förderung durch die Bertelsmann-Stiftung existiert Benchmarking für Finanzämter und z. B. für die Hartz IV-Optionskommunen, z. T. ist Benchmarking gesetzlich vorgeschrieben, siehe oben.

Die KGSt hat mit dem IKO-Netz eine eigene Struktur für Benchmarking der von ihr initiierten und betreuten Vergleichsringe geschaffen. Die Themen sind aber vergleichsweise wenig spektakulär, Leistungsmengen und Kosten stehen im Vordergrund, Wirkungsdaten (Outcome) sind selten einbezogen.

Was hat der Bürger aber von langen Öffnungszeiten des Rathauses, wenn er sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus wagt, fragt zu Recht Pippke, und fordert Indikatoren zur "lokalen Lebensqualität" (s. dazu jetzt die Entwicklung im United Kingdom). Was hat der Steuerzahler von dem Benchmarking der Beihilfe-Sachbearbeitung, durch die die Kosten pro Antrag sinken, nicht aber die - viel höheren - Beihilfeleistungen und anderen Krankheitskosten? Schlimmstenfalls wird die Senkung der "Stückkosten" durch die Vergrößerung der Zahl der Beihilfeanträge erreicht, die dafür weniger Abrechnungsposten enthalten (siehe "Fehlsteuerung durch Benchmarking der Beihilfe"). Hier fehlt also deutlich die strategische Perspektive: Tun wir die richtigen Dinge? Vergleichen wir die richtigen Dinge?

Outcome und strategische Fragen greifen Vergleichsringe zur Lokalen Agenda 21 auf. Es führt allerdings erneut zu Problemen, wenn jetzt unter dem Einfluss der Agenda 21 nur die Aspekte der Nachhaltigkeit mit Kennzahlen erfasst werden, damit besondere Aufmerksamkeit erfahren, aber kein umfassendes Konzept der Lokalen Lebensqualität besteht.

Benchmarking - Online-Verwaltungslexikon


2.7 Situation in der Schweiz

Dort findet Benchmarking in der öffentlichen Verwaltung schon seit längerem statt. Ein Beitrag aus dem Jahr 1998 (Hunziker / Rahmann, s. Literatur) fasst die bereits zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Erfahrungen zusammen.

Im Internet sind verschiedene Informationen über die aktuelle Situation verfügbar, z. B. zur Situation im Kanton Zürich: http://www.statistik.zh.ch/benchmarking/Kurzbeschreibung%20Projekte.htm.


2.8 Das Best Value-Konzept im United Kingdom Seitenanfang

Wesentlich weiter als in Deutschland ist die öffentliche Verwaltung des United Kingdom mit dem Best Value-Konzept. Für den kommunalen Bereich sind umfassende Kennzahlen verfügbar, die auch im Internet veröffentlicht werden (s. Quellen). Jeder Bürger hat so die Möglichkeit, die Situation in seinem örtlichen Bereich, die Ergebnisse der Politik seiner Gemeinde bzw. seines Kreises, anhand definierter Kennzahlen zu beurteilen und Vergleiche mit Durchschnittswerten bzw. den Werten anderen Regionen anzustellen.

Benchmarking - Online-Verwaltungslexikon

Kennzahlen werden definiert für Leistungen, aber auch Ergebnisse/Wirkungen (Outcome), z. B. die Zahl von Verkehrstoten, der Prozentsatz der Schüler, die ein bestimmtes standardisiertes Leistungsniveau erreichen, sowie Kosteneffizienz und z. T. Input-Größen. Auch die Belange von behinderten Menschen, von Minderheiten und Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung im Rahmen einer lokalen Agenda 21 werden dokumentiert und bei den Forderungen nach messbaren Verbesserungen berücksichtigt. Seitenanfang

Ein Satz von 20 Schlüssel-Kennzahlen verdichtet die Berichterstattung. Gemeinden und Kreise können sich um die Auszeichnung für Best Practice bewerben, ebenso öffentliche Einrichtungen aller Art (Behörden, Schulen, Krankenhäuser, Universitäten usw.). Auch diese Ergebnisse werden im Internet dokumentiert.

Benchmarking im KLR-Handbuch des Bundes, 2002


3 Quellen (Literatur, Internet-Adressen)
Benchmarking - Online-Verwaltungslexikon

Literatur

Zur Einführung

Patterson, James G.: Grundlagen des Benchmarking: die Suche nach der besten Lösung. Wien 1996
(leicht verständlich, aber die ganze Breite des Problems an praktischen Beispielen darstellend)

Ausgewählte weitere Literatur, insbesondere zur öffentlichen Verwaltung

o. V. / EFQM: The European Benchmarking Code of Conduct. Online-Quelle am 21.09.2006, interne Quelle im Online-Archiv. (Anm.: Die EFQM hat einen inhaltlich weitgehend identischen Verhaltenskodex veröffentlicht: Online-Quelle am 24.07.2008)

Adamaschek, Bernd: Interkommunaler Leistungsvergleich. Gütersloh 1997

Adamaschek, Bernd: Der Interkommunale Leistungsvergleich (Benchmarking). Leistung und Innovation durch Wettbewerb. Bern, 15. Juni 2001. Vortragsfolien im Internet

Adamaschek, Bernd: Wettbewerb in strategischen Politikfeldern als Quelle für Leistung und Innovation. Rede auf der 4. Tagung der Behördenleitungen des Bundes "Wettbewerb in strategischen Politikfeldern als Quelle für Leistung und Innovation", 14.09.2004, Online-Quelle

Adamaschek, Bernd / Baitsch, Christof (Hrsg.): Interkommunaler Leistungsvergleich - Kritische Erfolgsfaktoren. (Interkommunaler Leistungsvergleich, Bd. 8). 2. Auflage, Gütersloh 2000

BBB: Benchmarking-Standards für öffentliche Leistungen (INFO 1696 Juli 2002), Online-Quelle

Bertelsmann-Stiftung (Hrsg.): Leistungsvergleich zwischen Finanzämtern. Philosophie - Methodik - Organisation - Ergebnisse. 2. Auflage 2001, 250 Seiten, ISBN 978-3-89204-472-7, Online-Quelle 

Breitling, Markus / Grieble, Oliver: Grundsätze und Standards für Leistungsvergleiche. Forschungsprojekt untersucht Benchmarkingmethoden und -verfahren. In: VOP 2/2000, S. 23-26 Seitenanfang

Burr, Wolfgang / Seidlmeier, Heinrich: Benchmarking in der öffentlichen Verwaltung. Anwendungspotentiale und Grenzen aus theoretischer und empirischer Sicht. In: Budäus, Dietrich / Conrad, Peter / Schreyögg, Georg [Hrsg.], New Public Management Berlin ; New York 1998, S. 55-92

Camp, Robert C.: Benchmarking. München/Wien 1994

Cowper, Jeremy / Samuels, Martin: Performance Benchmarking in the Public Sector: The United Kingdom Experience (Verfasser sind vom Next Steps Team, Office of Public Services Cabinet Office, United Kingdom), Online-Quelle, übernommen am 29.09.2002

DIN (Hrsg.): PAS 1014: Vorgehensmodell für das Benchmarking von Dienstleistungen. Berlin, 2001

Grieble, Oliver: Prozessorientiertes Vorgehensmodell für das Benchmarking von Dienstleistungen, in: Scheer, A.-W. (Hrsg.): Veröffentlichungen des Instituts für Wirtschaftsinformatik, Nr. 172, Saarbrücken 2003, auch http://www.iwi.uni-sb.de/grieble/IWi-Heft_172.pdf am 20.02.2003

Grieble, Oliver / Scheer, August-Wilhelm (2000): Grundlagen des Benchmarking
öffentlicher Dienstleistungen. Saarbrücken 2000

Hofmeister, Albert (Hrsg.): Bewerten - Vergleichen - Gewinnen. Self-Assessment - Benchmarking - Quality Awards. Bern 2001 (Schriftenreihe der Schweizerischen Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften (SGVW)), Bd. 41. (Siehe insbesondere die Beiträge von Elke Löffler, Benchmarking in der OECD, S. 131 ff., und Reto Steiner, Grundlagen und kritische Erfolgsfaktoren von Benchmarking im öffentlichen Sektor, S. 210-251).

Hunziker, Alexander W. / Rahmann, Florian: Benchmarking in der öffentlichen Verwaltung, VOP, Verwaltung Organisation und Personal, Heft 6/98, S. 20-23, http://www.iwv.ch/puma/bench-artikel.htm, übernommen am 29.09.2002 (Kriterien für die Bewertung von Benchmarking, Bewertung der Verwendung in der Schweiz nach dem Stand 1998)

König, Klaus: Lernen von den Nachbarn – Internationales Benchmarking. Reformvorhaben bei staatlichen Verwaltungen im internationalen Vergleich. Internet-Quelle am 29.9.2002

Kuhlmann, Sabine: Benchmarking auf dem Prüfstand: Kosten, Nutzen und Wirkungen. interkommunaler Leistungsvergleiche in Deutschland. In: Verwaltungsarchiv 2003, Internet-Quelle am 31.05.2006

OECD: International Benchmarking Experiences from OECD Countries. Paper Presented at a Conference Organised by the Danish Ministry of Finance on: International Benchmarking Copenhagen 20-21 February 1997. Internet-Quelle am 01.02.2007

Pippke, Wolfgang: Neues Steuerungsmodell, Bürgerkommune und lokale Lebensqualität. In: Verwaltung und Management 2000, S. 284-288

Schmithals-Ferrari, Elisabeth: Methodik und Vorgehensweise in der Arbeit mit Kennzahlen und interkommunalen Vergleichen, in: Budäus, Dietrich (Hrsg.): Leistungserfassung und Leistungsmessung in öffentlichen Verwaltungen. 2. Norddeutsche Fachtagung zum New Public Management. Wiesbaden 2000, S. 151-179

Schnieders, Günter: Kernkennzahlen am Beispiel der Sozialhilfe. Benchmarking-Projekte in Niedersachsen als Motor für die Neue Steuerung. In: VOP Nr. 4/2001, S. 17-19 Seitenanfang

Schuster, Ferdinand: Der interkommunale Leistungsvergleich als Wettbewerbssurrogat. Berlin 2003

Schweizerische Gesellschaft für Verwaltungswissenschaft (Hrsg.): Leistungen messen, Wirkungen evaluieren - und was dann? Schriftenreihe der Schweizerischen Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften (SGVW), Band 43. Bern 2003

Steiner, Reto (2001): Grundlagen und kritische Erfolgsfaktoren von Benchmarking im öffentlichen Sektor. In: Hofmeister, Albert (Hrsg.): Bewerten - Vergleichen - Gewinnen. Bern 2001, S. 210-251.

Siebert, Gunnar/ Kempf, Stefan: Benchmarking. Leitfaden für die Praxis. 3. Auflage, München 2008

Thau, Alexander: Benchmarking in öffentlichen Verwaltungen. Theoretische Fundierung und mögliche Weiterentwicklung eines Modernisierungsinstruments. Berlin 2009

Kanton Zürich: Benchmarking im Kanton Zürich (Statistik-Amt des Kantons). Internet-Quelle am 23.09.2006

Internet-Adressen (Websites)

Deutsche Verwaltung Seitenanfang

KGSt, IKO-Netz http://www.iko-netz.de
Bertelsmann-Stiftung Kernkennzahlen in der Kommunalverwaltung, http://www.kik-net.de
Leistungsvergleich der Finanzämter http://www.leistungsvergleich.de/
Hochschul-Benchmarking (auch: Evaluation, Controlling)
CHE http://www.che.de
Benefit-Projekt
Website http://www.iwi.uni-sb.de/benefit/index1.htm
Informationen zum Benefit-Projekt Grieble, O.; Scheer, A.-W.: Grundlagen des Benchmarkings öffentlicher Dienstleistungen, in: Scheer, A.-W. (Hrsg.): Veröffentlichungen des Instituts für Wirtschaftsinformatik, Nr. 166, Saarbrücken 2000. http://www.iwi.uni-sb.de/iwi-hefte/heft166.pdf, übernommen am 24.09.2002
Benchmarking und Best Value im United Kingdom
(Dazu oben Cowper / Samuels, Performance Benchmarking ... The United Kingdom Experience)
Verschiedene Quellen, z. B. der vorbildliche "Public Sector Benchmarking Service (PSBS), sind nicht mehr verfügbar. Informationen müssen über die allgemeinen Websites zum Public Management im UK recherchiert werden.
Internationale Quellen
EU-Kommission http://www.benchmarking-in-europe.com /
Benchnet / The Benchmarking Exchange TBE http://www.benchnet.com/
http://www.benchmarking.org

APQC (American Productivity & Quality Center http://www.apqc.org/

 


Anmerkungen Seitenanfang

[1] Grieble, Oliver / Breitling, Markus / Behrens, Hermann: Grundsätze und Entwicklungsbegleitende Normung für das Benchmarking öffentlicher Dienstleistungen http://www.iwi.uni-sb.de/benefit/service/Aufsatz-Grieble-Breitling-Behrens.pdf, 06.10.2002 (Teile dieses Beitrags wurden nach Angaben der Verf. bereits in der Zeitschrift VOP 3-2000, S. 23 bis 26 veröffentlicht.)
[2] "PAS" steht für "Publicly Available Specification", also eine öffentlich zugängliche Festlegung, die aber nicht den Charakter einer Norm hat.
[3] Der Begriff "Produkt" umfasst auch die Erbringung von Dienstleistungen.
[4] Erläuterungen zum Begriff, zur Bedeutung von Benchmarking und wie es nicht praktiziert werden sollte siehe den Auszug aus der Website PSBS. Die Definition im Original: "Improving ourselves by learning from others", in der deutschen Übersetzung des PSBS: "Verbesserung unserer selbst durch das Lernen von anderen" (http://www.benchmarking.gov.uk/about_bench/whatisit.asp). Eigene Übersetzung: "Besser werden durch Lernen von anderen".

Der PSBS existiert nicht mehr, ihre Aufgaben werden jetzt von anderen Institutionen im UK wahrgenommen.
[5] Der Abschlussbericht ist unter dem Titel „Unternehmenskultur, Arbeitsqualität und Mitarbeiterengagement in den Unternehmen in Deutschland. F371 - Forschungsbericht: Abschlussbericht Forschungsprojekt Nr. 18/05“ veröffentlicht. Eine Präsentation der Ergebnisse von Frank Hauser ist ebenfalls im Internet zugänglich: Online-Quelle.

Die Institutionen, die an der Befragung teilgenommen hatten, erhielten auch ihre eigenen Ergebnisse mit einem Benchmarking-Bericht über den Vergleich zum Bundesdurchschnitt und dem Durchschnitt ihrer Branche.

   

 

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© Copyright: Prof. Dr. Burkhardt Krems,
Köln, 2012-01-31