Personalentwicklung (PE)
(Beitrag im Online-Verwaltungslexikon
olev.de, Version 1.16)
1. Definition
Teilfunktion des Personalmanagements,
das die Deckung des Personalbedarfs durch Qualifizierung der vorhandenen Mitarbeiter
anstrebt, gleichzeitig aber auch wichtige Beiträge zur Motivation, der
Entwicklung der Kultur und zur Erreichung der sozialen Ziele des Unternehmens/der
Behörde leisten kann, u. U. auch für weitergehende gesellschaftliche
Ziele (»TQM, EFQM). Individuelle
Maßnahmen sind operative PE, die strategische PE wird gerade in der öffentlichen
Verwaltung als Aufgabe oft nicht gesehen.
- Zur Strategischen
Personalentwicklung als Erfolgsfaktor sowie zu den Elementen, zum
Vorgehen usw. s. insbesondere Ch. Scholz in der 5. Aufl. seines Handbuchs
"Personalmanagement", 2000, S. 406 ff.
- Personalentwicklung muss die betrieblichen Anforderungen ableiten aus der
Unternehmensstrategie, die in der öffentlichen Verwaltung
oft nicht existiert, die zu entwickeln aber ein vordringliche Aufgabe darstellt,
wie die KGSt nachdrücklich betont (strategisches
Management). Weitere Einflussgrößen sind die Entwicklung der Umwelt
und der Aufgaben (die in Wechselwirkung miteinander stehen) sowie die Entwicklung
der Personalbestands.

- Entwicklungsrichtungen
(nach Scholz, a.a.O., S. 408) sind mit A bis F gekennzeichnet.
| |
Fähigkeiten |
Anforderungen |
Vorgehen |
| A |
Fähigkeitsprofil eines Mitarbeiters |
gegenwärtiges oder zukünftiges Anforderungsprofil
eines Arbeitsplatzes |
analytisch |
| B |
aggregiertes (ggf. zukünftiges) Anforderungsprofil
mehrerer Arbeitsplätze |
| C |
aggregiertes Fähigkeitsprofil mehrerer Mitarbeiter
eines Tätigkeitsbereichs |
| D |
(ggf.) zukünftiges Anforderungsprofil eines Arbeitsplatzes |
| E |
"typischer Mitarbeiter" einer spezifischen Prägung |
"typischer Arbeitsplatz" einer in Zukunft wichtigen
Prägung |
summarisch  |
| F |
gesamtes Unternehmen |
Kulturerfordernis |
- Menschenbild: Eine wichtige
Frage ist in diesem Zusammenhang, welche Rolle dem Mitarbeiter zuerkannt oder
zugesprochen wird. Wie bei der Fortbildung sollte PE nicht als Aufgabe des
Unternehmens/der Behörde verstanden wissen, sondern als Kondominium:
die eigene Initiative des Mitarbeiters zu fördern, ihr auch nur Raum
zu lassen, wird künftig eine besondere Bedeutung haben. In der Wirtschaft
ist dies besonders deutlich mit der Perspektive, die Mitarbeiter zu Mitunternehmern
zu machen.
- S. dazu erneut Scholz, a.a.O., S. 414 ff., 415:
"Kern einer "Personalentwicklung durch virtuelles Organisieren"
ist ein Entwicklungsprozeß, bei dem sich die Mitarbeiter selbst auf Kernkompetenzen
ausrichten und dabei von Experten unterstützt werden." 
- Maßnahmen der Personalentwicklung sind Ausbildung, Fort-
und Weiterbildung sowie ein Komplex möglicher weiterer Maßnahmen, die
unter der Überschrift "Personalförderung" (z. B.
durch Personaleinsatz) zusammengefasst werden können. Bei allen Maßnahmen
können Ziele der PE und andere Ziele (z. B. Deckung des Personalbedarfs)
übereinstimmen, in "praktischer Konkordanz" stehen, aber auch
Zielkonflike sind möglich.
- Die Maßnahmen der Personalentwicklung werden auch gegliedert[1]:
- into the job (Berufsausbildung, Anlernausbildung, Trainee-Programme,
Einarbeitung, Coaching oder Mentoring[2])
- on the job (Training, Unterweisung am Arbeitsplatz,
Einsatz von CBT oder WBT oder anderen technikgestützten Lernmöglichkeiten,
qualifikationsfördernde Aufgabengestaltung, z. B. Sonderaufgaben,
Projektarbeit, Einsatz als Stellvertreter, Coaching oder Mentoring[2])
- near the job (Lernstatt, Qualitätszirkel, Gremienarbeit,
Projektarbeit)
- off the job (externe Bildungsveranstaltungen, Inhouse-Schulungen,
Corporate Universities, Aufstiegsausbildung oder -fortbildung, Selbststudium[3])

- out of the job (Ruhestandsvorbereitung, gleitender
Ruhestand. Die Fortbildung mit dem Ziel der Freisetzung wird unter der
Aufgabe "Personalfreisetzung" eingeordnet).
- Laufbahnbezogene Personalentwicklung[4], die eine über den konkreten Arbeitsplatz hinausgehende
allgemeine Qualifikation anstrebt, insbesondere durch die auf eine Laufbahn
bezogene Aus- und Fortbildung, später durch den systematischen Wechsel
des Arbeitsplatzes.
- Vorbild Schweiz
Die Schweizer Bundesverwaltung ist mit dem Personalpolitischen Leitbild, ihrem
Personalentwicklungskonzept und anderen Konzepten, regelmäßigen
Befragungen der Beschäftigten, deren Ergebnisse veröffentlicht werden,
sowie der Arbeit des Eidgenössichen Personalamts vorbildlich. Dabei ist
Personalmanagement eingebunden in das Gesamtkonzept der Modernisierung der
Verwaltung (siehe dazu die Materialien zum
Neuen Steuerungsmodell). 
- Praxismaterialien
- Die folgenden Teile sind noch zu formulieren, erste Stichworte,
Stand: 16.09.2004 -
- Einordnung in den Modernisierungsprozess
Wichtig u.a. die Vorbildfunktion der Personalstelle: sie
kann nicht für den Modernisierungsprozess qualifizieren und sich selbst
von der Modernisierung ausnehmen.
- Kunden der PE (entspricht z. T.
den Kunden des Personalmanagement, Änderungen,
weil einige wegfallen. Kundenorientierung ist wichtig, auch Kundenbefragungen)

- Ziele der PE, Kennzahlen der Zielerreichung
Ebenso wie in anderen Bereichen ist die Aufgaben ziel- und kundenorientiert
wahrzunehmen. An ersten Stelle sind strategische Ziele zu
formulieren:
- Controlling der PE (als Teil
des Personalcontrolling)
(Benchmarking kann nicht stattfinden, wenn es nicht vorbereitet ist. Deshalb
ist eine Konzeption wichtig, die Erfolgsgrößen definiert und Controlling
ermöglicht, sonst ist - nachträglich - Benchmarking wenig aussichtsreich
oder nur durch - teure - nachträgliche Datenerhebung oder Umstrukturierung
des Informations- und Controllingsystems durchführbar)
- PE und KLR (da immer mehr verbreitet,
ist die Konkordanz sicherzustellen)
| 3. Quellen
(Literatur, Internet-Adressen) |
|
Literatur
Vgl. die allgemeine Literatur zu Personalmanagement,
die zumeist auch diesen Fragenbereich behandelt. Spezielle Literatur:
| KGSt
– Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement |
1994 |
Personalentwicklung. Grundlagen für die Konzepterarbeitung.
Bericht 13/1994, Köln |
| KGSt
– Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement |
1996 |
Personalentwicklung im Neuen Steuerungsmodell.
Anforderungen an vorrangige Zielgruppen. Bericht 6/1996, Köln  |
| Nentzel, Brigitta |
1997 |
Personalentwicklung. Düsseldorf 1997 (Ergebnisse
des Projektes "Neue Instrumente für Innovationsprozesse zur Gestaltung
von Arbeit und Technik in öffentlichen Büro- und Verwaltungsbereichen, hrgs.
von Klaus Grimmer) |
| Riekhof, Hans-Christian (Hrsg.) |
1997 |
Strategien der Personalentwicklung. Esso,
Gore, Hamburg-Mannheimer, Hewlett-Packard, Matsushita, Opel, Philips, Siemens,
VW, Weidmüller, WEKA. 4. Aufl., Wiesbaden |
| Sattelberger, Thomas (Hrsg.) |
1991 |
Personalentwicklung neuer Qualität durch Renaissance
helfender Beziehungen. In: ders. (Hrsg.), Die lernende Organisation: Konzepte
für eine neue Qualität der Unternehmensentwicklung. Wiesbaden 1991, S. 207-227 |

Internet-Adressen (ohne Firmen / kommerzielle Angebote)

| [1] |
Nach Scholz, Christian: Personalmanagement. 5. Aufl., 2000, S. 511 ff.,
bearbeitet und ergänzt, teilweise unter Verwertung von Berthel, Personal-Management,
5. Auflage, 1997, S. 306 ff. |
| [2] |
Coaching oder Mentoring ergänzt - diese Konzepte der Förderung
der Qualifikation und der Unterstützung bei der Bewältigung konkreter
Probleme wird in der Praxis der öffentlichen Verwaltung noch kaum gesehen,
ist aber durchaus ein Teil gut funktionierender Praxis. |
| [3] |
Ist die Weiterentwicklung der Qualifikation eine "Bringschuld" des Dienstherrn?
Das entspräche jedenfalls nicht dem im übrigen angestrebten Bild des aktiven
Mitarbeiters. Tatsächlich sind in der Bundesverwaltung viele IT-Kenntnisse
durch eigene Fortbildung und Beschäftigung mit IT außerhalb des Dienstes
entstanden. Andererseits fehlt derzeit noch die systematische Einbeziehung
dieser eigenen Aktivität in die Personalentwicklungs- und Fortbildungskonzepte.
- Anders im Personalentwicklungskonzept der Schweizer Bundesverwaltung.
|
| [4] |
Diese Unterscheidung folgt Berthel, ebd.  |