Management-Begriffe: Überblick und Ergänzungen

(Beitrag im Online-Verwaltungslexikon olev.de, Version 1.84r)
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1 Management

  1. Ergebnisorientierte Gestaltung und Steuerung von Organisationen (Betrieben, Behörden) oder Teilen davon, (funktionaler und normativer M.-begriff, die Managementaufgabe);
  2. die mit dieser Aufgabe betrauten Stellen (institutioneller M.-begriff) bzw. Personen (personaler M.-begriff);
  3. die Tätigkeit der Gestaltung und Steuerung (instrumenteller M.-begriff);
  4. Management als Managementlehre, -wissenschaft

Das Gleichnis von den drei Steinmetzen

Auf die Frage, was sie tun

  • antwortete der erste: "Ich verdiene meinen
    Lebensunterhalt";
  • antwortete der zweite: "Ich mache die besten
    Steinmetzarbeiten des Landes";
  • antwortete der dritte: "Ich baue eine Kathedrale".

Der dritte ist der wahre "Manager".

Peter Drucker: Die Praxis des Managements, 1956[1a]

Als Gegensatz zu den Begriffen "Verwaltung" und "Bewirtschaftung" wird unter Management eher die umfassende, ganzheitliche, mit Einsatz spezifischer Methoden betriebene, aktive oder proaktive Gestaltung und Steuerung verstanden, die bewusst Ziele setzt, auch mittel- und langfristig vorausdenkt und dabei unterschiedliche Entwicklungen berücksichtigt (ggf. unter Verwendung der Szenariotechnik), die Potenziale fördert und nutzt und den Managementprozess durch Controlling unterstützt.

2 Management als Disziplin

Als Begründer der Disziplin "Management" wird oft Peter Drucker genannt, der mit seinem 1954 erschienenen Buch "The Practice of Management" eine erste systematische Lehre von der Tätigkeit der Manager vorgelegt hat[1], Anfänge reichen aber weiter zurück bis zur "Preußischen Schule der bürokratischen Staatskunst"[2] bzw. der Kameralwissenschaft (Kameralistik im weiteren Sinne)[3]. Den Wissenschaftscharakter problematisiert Mintzberg mit beachtlichen Argumenten[4] und insbesondere mit Blick auf die MBA-Ausbildung in den USA und die Folgen[5].

3 Managementebenen

3.1 Hierarchie-Ebenen

Unterschieden werden Top (Unternehmensleitung, Mitglieder der obersten Leitungsgremien), Middle (Abteilungs-, Betriebsleiter) und First-Line (Lower) Management (Gruppenleiter, Vorarbeiter). In der öffentlichen Verwaltung gibt es keine klare Zuordnung, z. B. ob Referatsleiter/in zum "Middle Management" gehören, wenn es noch Hauptsachbearbeiter und Sachbearbeiter gibt, sie aber als unterste Instanz zum "First-Line Management" rechnen, wenn nur Sachbearbeiter/innen unmittelbar unterstellt sind, ist unklar. Deshalb sollten diese Begriffe jeweils ausdrücklich definiert werden im Hinblick auf die Funktion, mit der sie verwendet werden.Management-Ebenen

3.2 Managementebenen nach Bedeutung und Zeithorizont

Normatives, strategisches, taktisches und operatives Management: siehe besondere Übersicht.

4 Managementfunktionen

Teilaufgaben des Managements, die von einander unterschieden werden können und in ihrer Gesamtheit die vom Management zu erfüllenden Aufgaben abdecken. Orientiert an diesen Anforderungen und in einer Abfolge als Prozess können unterschieden werden:

 SeitenanfangDiese Unterscheidung folgt im wesentlichen Schreyögg/Koch 2007, S. 10 ff., die sie als Standard der heutigen Managementlehre bezeichnen. Schreyögg/Koch machen darauf aufmerksam, dass häufig verwendete weitere Funktionen wie "Koordination" und "Entscheiden" nicht eigenständig sondern Teil der Funktion "Führung" (englisch "directing") sind. Siehe dort, S. 9 f., 13, auch zu anderen Unterscheidungen.

Auch wenn diese Unterscheidung weit verbreitet ist, enthält sie wesentliche Aspekte z. B. des Normativen Managements nicht. Sie entspricht auch nicht empirischen Erkenntnissen über die tatsächlichen Managementaktiväten (siehe die Darstellung der Forschungsergebnisse bei Schreyögg/Koch 2007, S. 13 ff.), wie sie z. B. Mintzberg (1989/1991) ermittelt hat. Die Problematik wird in anderen Managementkonzepten u. U. anders strukturiert (siehe unten die Quellenangaben z. B. zum St. Galler Managementkonzept: Dubs / Euler 2004 und Bleicher 2004 sowie Schwarz u. a. zum NPO-Management, 2009).

6 Managementkreislauf (-zyklus)

Als Managementkreislauf oder -zyklus wird eine Abfolge von Phasen bezeichnet, die in Wahrnehmung der Managementaufgabe immer wieder verwendet wird/werden sollte.

Es werden unterschiedliche Phasenstrukturen vorgeschlagen bzw. verwendet:

6.1 Phasen des Entscheidungsprozesses

Management wird hier als "Entscheiden" interpretiert, unabhängig vom Inhalt der Entscheidungen, der Grundlage einer Differenzierung nach den Managementfunktionen sein kann (siehe unten).

6.2 Deming-Zirkel (PDCA-Zyklus)

PDCA-ZyklusDer im Qualitätsmanagement entstandene, auf Deming zurückgeführte Kreislauf des Prüfens und Umsetzens (Planen, Durchführen, Checken/Überprüfen, Anpassen) als Zyklus der ständigen Weiterentwicklung kann ebenfalls als Management-Kreislauf verwendet werden - und wird es z. T. in der Praxis.

Der Vorteil des PDCA-Zyklus liegt darin, dass Planung von vornherein nicht als einmaliger Vorgang verstanden wird, sondern die Überprüfung der Ergebnisse und die Anpassung als Zyklus der ständigen Weiterentwicklung in den Kreislauf integriert ist (Phase "Check"). Der PDCA-Zyklus ist ferner allen, die mit Qualitätsmanagement zu tun haben, vertraut und bietet sich deshalb als gemeinsame Basis für Management an.

Management-Kreislauf der KGSt6.3 Management-Kreislauf der KGSt

Die KGSt variiert in ihrem Bericht 8/2000: Strategisches Management I: Leitbericht für Politik und Verwaltungsführung, S. 12, den Entscheidungszyklus wie aus der Grafik erkennbar, und bezeichnet dies als "Management-Kreislauf". Die oben mit "Planung" bezeichnete Phase wird von der KGSt aufgeteilt in "Zielentwicklung" und "Konzept zur Zielerreichung", die "Umsetzung" der Planung wird - entsprechend den typischen Aufgaben der Kommunalverwaltung - als Definition der Programme, Produkte oder Projekte konkretisiert.

6.4 Funktionen als Phasen

Eine andere Interpretation des Managementkreislaufs verwendet die oben genannten Managementfunktionen: Planung, Organisation, Personaleinsatz, Führung und Kontrolle, z. B. Schreyögg/Koch 2007: 10. Schreyögg/Koch (S. 13) merken an, dass dieses Phasenschema eher ein didaktisches Hilfsmittel als Beschreibung realer Steuerungsabläufe sei.

7 Managementmethoden (Management by ... )

Managementkonzepte, die Führung systematisieren, indem sie bestimmte Prinzipien für das Führungsverhalten vorgeben, insbesondere die "Management by..." Konzepte: by delegation: Entscheidungsbefugnis in Sachfragen wird auf Mitarbeiter delegiert, by exception: alltägliche Entscheidungen treffen die nachgeordneten Stellen, der Vorgesetzte entscheidet nur in Ausnahmefällen, by objectives: Führung durch Ziele (Zielvorgabe oder, moderner, durch Zielvereinbarung), by results, by motivation  usw. Siehe auch „Management by ...“ die ultimativen Konzepte

8 Managementtechniken

Techniken, die im weiten Zusammenhang mit der Führungsaufgabe einsetzbar sind, z. B. Planungs- und Entscheidungstechniken, Ideenfindungstechniken. Die Beherrschung derartiger Techniken ist Teil der Methodenkompetenz, s. Potenzialbeurteilung. Mehr ...

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Quellen

Literaturempfehlungen

Literatur zu Management allgemein
(ohne Public Management: siehe dazu die Nachweise im Beitrag "Neue Verwaltungssteuerung", zu "strategischem Management" siehe unten)

Bleicher, Knut 2004 Das Konzept Integriertes Management. 7. Aufl., Frankfurt/New York 2004
Drucker, Peter F. 1973 Management: Tasks, Responsibilities, Practices. New York, 1973
Neue Management-Praxis. Band 1: Aufgaben, Band 2: Methoden. Düsseldorf 1974
Drucker, Peter F. 1999 Management im 21. Jahrhundert. München 1999 (Original: Management Challenges for the 21st Century. 1999)
Drucker, Peter F. 2002 Was ist Management? Das Beste aus 50 Jahren. Berlin 2002 (eine Zusammenstellung verschiedener Texte aus dem umfangreichen Werk von Drucker) 
Dubs, Rolf / Euler, Dieter / Rüegg-Stürm, Johannes / Wyss, Christina E. (Hrsg.) 2009 Einführung in die Managementlehre. 2. Aufl., 5 Bände, Bern 2009
Jung, Rüdiger H. / Bruck, Jürgen / Quarg, Sabine 2008 Allgemeine Managementlehre. Lehrbuch für die angewandte Unternehmens- und Personalführung. 3. Aufl., Berlin 2008
Mintzberg, Henry 1989/ 1991 Mintzberg über Management. Führung und Organisation. Mythos und Realität. Wiesbaden 1991 (deutsche Übersetzung von: Mintzberg on Management. Inside Our Strange World of Organizations, 1989) (siehe dazu oben)
Mintzberg, Henry 2005 Manager statt MBAs. Eine kritische Analyse. Frankfurt/M 2005
Rüegg-Stürm, Johannes 2004 Das neue St. Galler Management-Modell, in: Dubs, Rolf u. a. (Hrsg.), Einführung in die Managementlehre, Bern 2004, S. 65-141
Schreyögg, Georg / Koch, Jochen 2007 Grundlagen des Managements. Basiswissen für Studium und Praxis. Wiesbaden 2007 (siehe dazu oben)
Staehle, Wolfgang H. / Conrad, Peter / Sydow, Jörg 1999 Management. Eine verhaltenswissenschaftliche Perspektive. 8. Aufl., überarbeitet von Peter Conrad und Jörg Sydow. München 1999 (9. Aufl. soll 2010 erscheinen)

Speziell Nonprofit-Management
(siehe dazu auch die Literatur zu "(New) Public Management")

Drucker, Peter 1990 Managing The Non-Profit Organization. Oxford 1990
Hilb, Martin / Renz, Patrick 2009 Wirksame Führung und Aufsicht von Not-for-Profit-Organisationen (New NPO Governance). Bern 2009  
Schwarz, Peter / Purtschert, Robert / Giroud, Charles / Schauer, Reinbert 2009 Das Freiburger Management-Modell für Nonprofit-Organisationen (NPO). 6. Aufl., Bern 2009

Speziell strategisches Management: siehe den besonderen Beitrag, einschließlich Quellen zu:
- strategischem Public Management
- Praxisanleitung für strategisches Public Management

Management als allgemeine Betriebswirtschaftslehre
Thommen, Jean-Paul / Achleitner, Ann-Kristin 2006 Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. Umfassende Einführung aus managementorientierter Sicht. 5. Aufl., Wiesbaden 2006

 


Anmerkungen

Zurück zum Text Drucker verweist im übrigen auf das "bestgehütete Geheimnis im Management", dass "die erste systematische Anwendung von Theorien und Prinzipien des Managements nicht in einem Geschäftsunternehmen, sondern im öffentlichen Sektor" stattfand: mit der Reorganisation der US-Army durch Elihu Root, Kriegsminister unter Präsident Roosevelt. Zitiert nach Jack Beatty: Die Welt des Peter Drucker, 1998, S. 120.
1a Zurück zum Text Quelle des Gleichnisses: Drucker: The Practice of Management, 1954 / Die Praxis des Managements, 1956, zitiert nach Jack Beatty: Die Welt des Peter Drucker, 1998, S. 124
Zurück zum Text so die Formulierung von Mintzberg, Manager statt MBAs, 2004, S. 29
Zurück zum Text als Lehre von der Verwaltung des Staates
Zurück zum Text Mintzberg, a. a. O., S. 16: "Management ist keine Wissenschaft ... eher eine Kunst, die auf "Einsichten", "Visionen" und "Intuition" beruht. (Peter Drucker schrieb 1954, dass "die Tage des 'intuitiven' Managers gezählt" seien. Seitdem ist ein halbes Jahrhundert vergangen, doch das Zählen dauert an)."
Zurück zum Text Das ist das Thema des gesamten, bereits zitierten Werkes, siehe z. B. darin die "kurze Geschichte der betriebswirtschaftlichen Ausbildung", S. 29 ff.